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Blutige Schnäppchenjagd

Sydney (AP) – Erst als sie einen Fernseher zum Schnäppchenpreis an sich gebracht hatte, merkte die 57jährige Dame, daß ihr zwei Fingerkuppen fehlten. Die Fingerspitzen waren ihr Sekunden zuvor in einer Tür abgeklemmt worden, als das Kaufhaus Daimaru in Sydney die Pforten zum Schlußverkauf öffnete. „Sie wollte noch rasch den Fernseher bezahlen, bevor sie in den Krankenwagen stieg“, berichtete der Wachmann Craig Webber, der ihr zu Hilfe kam.

Szenen dieser Art sind alle Jahre wieder gang und gäbe, wenn in Australien zum Jahresschlußverkauf geblasen wird. Kurz nach Weihnachten ist in den Städten des fünften Kontinents der Teufel los.

Ein Beinbruch brachte für eine Frau in Adelaide das Ende der Schnäppchenjagd. In Sydney gingen die Glastüren des Hauptportals von Grace Brothers unter dem Ansturm der Kaufwütigen zu Bruch. Gebrochene Nasen, Ohnmachtsanfälle und Beißattacken gehören zu den Standardbegleiterscheinungen australischer Schlußverkäufe. Diese näherten sich nach dem Urteil des Ministerpräsidenten des Staates Victoria, Jeff Kennett, „der Wahnsinnsgrenze und gefährden Menschenleben“.

Das alljährliche Blutvergießen hat nicht nur die Behörden, sondern auch den Handel nachdenklich werden lassen, dem die Großkampftage regelmäßig den Spitzenumsatz des Jahres bescheren. Der Vorstandschef der Unternehmensgruppe Myer/Grace Brothers, Mike Howell, gab bekannt, man wolle eine neue Schlußverkaufsstrategie entwickeln.

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