Blinde Fußballerin Thoya Küster: Durch Fußball freier geworden

Mit 16 Jahren hat Thoya Küster die deutschen Frauen zum Europameistertitel geschossen. In der Bundesliga kickt sie gegen erwachsene Männer.

Thoya Küster mit dunkler Sonnenbrille hält an beiden Henkelen einen riesigen Pokal

Den Pott geholt: Thoya Küster bei der Europameisterschaft in Pescara Foto: FC St. Pauli

HAMBURG taz | Am Sonntag hat Thoya Küster ein anstrengendes Spiel hinter sich gebracht. Die Hamburgerin gewann mit dem FC St. Pauli in Soest bei brütender Hitze mit 4:0 gegen Borussia Dortmund, ihr zweites Spiel in der Bundesligasaison 2022. Dabei musste sie auch gegen gestandene männliche Nationalspieler antreten. Und wieder einmal zeigte sie, was sie drauf hat. Man könnte fast vergessen, dass sie erst 16 ist.

Küsters Talent sorgte erstmals für größere Aufmerksamkeit, als sie Anfang Juni bei der Europameisterschaft für Blindenfußballerinnen im italienischen Pescara spielte. Ein besonderer Anlass, denn es war die erste Europameisterschaft für Frauen überhaupt. Die Krönung: Deutschland holte direkt den Titel. Beide Finalspiele gegen England gewannen die deutschen Frauen mit 4:0. Und alle acht Tore schoss dabei Thoya Küster. Für sie war das eine herausragende Erfahrung – und vor allem etwas Neues, denn bis dahin hatte sie in der Bundesliga nur in gemischten Teams gespielt. Umso mehr hat sie den Austausch mit den anderen Frauen genossen.

Trotz ihres Erfolges wirkt Küster im Gespräch geerdet. Sie antwortet souverän und lässt sich Zeit, über die Fragen nachzudenken. Mit neun Jahren hat sie angefangen, Fußball zu spielen. Damals war sie auf der Suche nach einer Sportart, die sie mit ihrer Sehbehinderung ausüben kann. Zum Probetraining beim FC St. Pauli wurde sie herzlich empfangen. Das Spiel machte ihr Spaß und die schnelle Aufnahme ins Team hat ihr den Einstieg erleichtert. Mit 13 debütierte sie in der Bundesliga.

Neben der Freude am Spiel ist es Küster wichtig, für den Blindenfußball insgesamt zu werben. „Das Spiel ist leider noch relativ unbekannt“, sagt sie. Daher gebe es kaum Förderung für die Teams. Was für einen Unterschied der Bekanntheitsgrad ausmacht, hat sie durch ihre Teilnahme an der Europameisterschaft erfahren: Blindenfußball ist nur bei den Männern als paralympische Sportart anerkannt. Deshalb sieht das deutsche Sportfördersystem keine Förderung eines Frauen-Nationalteams vor.

Erst durch Crowdfunding zur EM

Ohne die vom FC St. Pauli organisierte Crowdfunding-Aktion hätte das Team gar nicht am Turnier teilnehmen können. In Pescara kam das halbe Team vom Hamburger Kiez. Und auch Trainer und Betreuer waren aus Hamburg mitgekommen. Für die Zukunft wünscht Thoya Küster sich, dass das Spiel allen Menschen mit Sehbehinderung zugänglich wird: „Jede und Jeder sollte die Möglichkeit haben, eine Sportart auszuüben.

Zurzeit trainiert Küster nach der Schule dreimal in der Woche: Zweimal mit dem gemischten Bundesligateam und neuerdings einmal mit dem neu gegründeten Frauenteam. Manchmal ist das Wochenprogramm anstrengend. Doch Küster ist glücklich, den Sport in ihrem Leben zu haben. Denn dadurch sei sie selbstbewusster geworden und habe gelernt, besser mit ihrer Sehbehinderung zurechtzukommen, sagt sie. „Durch den Kontakt zu den anderen habe ich auch gelernt, mich viel freier zu bewegen.“

Was sie motiviert, ist das Spielen im Team und die geteilte Euphorie, die sie verspürt, wenn das Spiel gut läuft. Es sei das schönste Gefühl, wenn die Kommunikation im Team gut klappt. „Zusammen jubeln ist das Beste.“

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de