Bildungspolitik: Lehrer als Rechenaufgabe

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) verkündet, dass in Berlin zum neuen Schulhalbjahr 165 Lehrer eingestellt werden. Das klingt gut. Doch nach Rechnung der GEW bleiben am Ende weniger als null.

Wie viel neue Lehrer sind 165 wirklich? Genau so viele will Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) zum nächsten Schulhalbjahr einstellen. 113 davon sollen die 226 PädagogInnen ersetzen, die Altersteilzeit beantragt haben und damit ihre Arbeitszeit auf die Hälfte reduzieren.

Bleiben 52: Die sollen andere im Laufe des jetzigen Halbjahres aus dem Dienst ausgeschiedene Lehrkräfte ersetzen, teilt der Schulsenator mit. Den Neuen will er außerdem deutlich höhere Gehälter als bisher üblich zahlen: Netto 200 Euro mehr sollen die Einsteiger verdienen.

Dass die Neueinstellungen die Personalausstattung der Schulen verbessern werde, sagt also nicht einmal der Schulsenator selber. Nach seiner Zählung ist das auch gar nicht nötig: Laut Zöllner war Anfang November der Lehrerbedarf an Berliner Schulen zu 100,4 Prozent - also ausreichend - gedeckt. Die Neueinstellungen, so ein Sprecher der Bildungsverwaltung, "entsprechen genau der Zahl, die uns im Februar zu Beginn des neuen Schulhalbjahres wieder auf gut 100 Prozent bringen wird."

Das sieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) anders. Zöllners 100,4 Prozent kämen sowieso nur dadurch zustande, kritisiert GEW-Sprecher Peter Sinram, dass Schulen Finanzmittel, mit denen sie eigentlich durch kurzfristige Fehlzeiten entstehende Personallücken stopfen sollen, für längerfristige Verträge mit VertretungslehrerInnen einsetzten. Die würden von Schulsenator Zöllner dann wiederum in die Grundausstattung eingerechnet.

Nach Rechnung der GEW verschlimmert sich diese Lage durch die zu niedrige Zahl der Neueinstellungen noch. "Es sind etwa 80 Lehrer pro Monat, 1.000 im Jahr, die aus dem Schuldienst ausscheiden", sagt Rosemarie Seggelke, Vorsitzende der Berliner GEW. "Seit Zöllners Bestandsaufnahme Anfang November sind also allein bis Februar bereits wieder 240 gegangen. Ich verstehe nicht, wie er diese Lücke mit 52 neuen Kräften stopfen will."

Falsch, kontert die Bildungsverwaltung: Viele der Ausscheidenden seien, etwa aufgrund langer Erkrankungen, nicht mehr aktiv und längst durch Vertretungen ersetzt: "Man kann deshalb der Zahl der Neueinstellungen nicht einfach die der ausscheidenden Lehrkräfte entgegensetzen", so Schulverwaltungssprecher Jens Stiller.

Gerade in befristeten Vertretungsverträgen sieht die GEW den zweiten Pferdefuß in Zöllners Planung. "KollegInnen, die bisher Fristverträge hatten, haben nun aus arbeitsrechtlichen Gründen vorrangigen Anspruch auf die neuen Stellen", so GEW-Sprecher Sinram. Frisch examinierte Nachwuchskräfte hätten damit trotz des erhöhten Gehalts immer noch wenig Anreiz, in Berlin zu bleiben, so Sinram: "Dabei sind bei vielen Fächern die

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de