: Bildungsgesellschaft meldet Konkurs an
■ In Berlin 1.000 Mitarbeiter / Tochterunternehmen der gemeinnützigen Otto-Benecke-Stiftung / Steuergelder kassiert
Berlin. Was die etwa 1.000 Mitarbeiter, ABM-Kräfte und Auszubildenden der „Gesellschaft für berufsspezifische Ausbildung“ (GfbA) in Berlin seit Wochen befürchten, ist nun eingetreten: Der Geschäftsführer der bundesweit agierenden Gesellschaft, Bernd Brenneisen, meldete am Mittwoch beim Amtsgericht Bonn Konkurs an. Das Gericht setzt nun einen Sequester ein, der die GfbA-Bücher überprüft und darüber entscheidet, ob überhaupt ein Konkursverfahren zulässig ist. Denn wenn sich herausstellen sollte, daß der Betrieb ganz und gar pleite ist, muß ein Liquidationsverfahren eingeleitet werden.
Die an 20 Standorten tätige Gesellschaft, eine Tochterorganisation der Otto-Benecke Stiftung (OBS), rauschte in die roten Zahlen, weil die Muttergesellschaft über Jahre hinweg fast eine Milliarde Steuergelder von der Regierung abkassierte und sie an Bildungsträger weiterverteilte, die der Kontrolle des Bundesrechnungshofes entzogen waren. Nach Aufdeckung dieser Machenschaften vor zwei Jahren durch die taz mußte die Führungsspitze abtreten, ein Ex-Mitglied von OBS und GfbA, der über eine Million Mark auf die privaten Konten umleitete, ist seitdem abgetaucht.
Die Konkurs-Nachricht aus Bonn überraschte den Berliner Betriebsrat nicht besonders. Denn seit Wochen erhalten die Mitarbeiter für die bislang ununterbrochen weiterlaufende Arbeit in den etwa 20 Ausbildungs-und Umschulungsprojekten keinen Lohn. Seitdem jagen sich die Krisensitzungen. Am Dienstag wird der Gesamtbetriebsrat der GfbA in Kassel besprechen, welche Konsequenzen jetzt zu ziehen sind. Für einen Sozialplan ist es nach Anmeldung des Konkursverfahrens zu spät, sie können jetzt nur hoffen, daß der Richter dem Verfahren zustimmt, sagte Betriebsratsmitglied Rainer Trakies. Dann könnten nämlich wenigstens die etwa 1.200 festangestellten Mitarbeiter in Berlin und im Bundesgebiet Konkursausfallgelder beantragen. Besonders sauer ist Trakies aber darüber, daß das Konzept einer Auffanggesellschaft, die die soliden Projekte der GfbA übernimmt, ins Wasser gefallen ist. Der Verein „Europäisches Qualifizierungszentrum in Berlin“ ist aber noch nicht ins Vereinsregister eingetragen. Der Senat wird die Maßnahmen deshalb voraussichtlich an andere Träger geben, die Mitarbeiter des Berliner Bildungszentrums werden arbeitslos.
Weder das Bonner Büro der GfbA, noch die für das Schlamassel verantwortliche OBS waren gestern für ein Statement zu erreichen. Ebenfalls nicht der langjährige Vorsitzende des OBS-Kuratoriums. Er heißt Eberhard Diepgen. Anita Kugler
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