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Berliner SzenenSigmar Gabriel verzockt

Licht und Schatten

Die Eltern begutachten interessiert die Kunstwerke

Fup hat seine erste Ausstellung. Sie heißt „Licht und Schatten“. Auf dem dazugehörigen A2-großen Plakat steht sein Name. Zusammen mit einigen anderen Kindern, die ebenfalls in der „Licht und Schatten“-AG mitgemacht haben. Die Ausstellung findet im Foyer des SPD-Hauses statt, und da muss ich natürlich hin.

Ich scheitere aber schon an der Pförtnerin, die mich nicht reinlassen will, weil ich mich nicht ausweisen kann. Ich habe nicht mal einen alten, ungültigen Bibliotheksausweis dabei. Ich will schon wieder nach Hause fahren, um meine Papiere zu holen, da kommt Nadja und bürgt für mich, dass ich das SPD-Haus nicht in die Luft sprengen werde. Nadja ist sehr einflussreich.

In einem kleinen Nebenraum sind die „Licht und Schatten“-Objekte ausgestellt. Es handelt sich um weiße Kartons, übereinandergestapelt und an einer Seite offen. Die Kinder haben sie bunt bemalt und Figuren aus Pappe und andere Gegenstände hineingestellt. Meistens steht irgendwo noch der Name des Kindes. Die Eltern begutachten interessiert die Kunstwerke. Ich auch. Fup nicht. An einem Ständer mit Postkarten von SPD-Politikern nimmt er einen dicken Stapel. Ich sage, er solle ihn wieder hinlegen, denn ich schreibe keine Postkarte, wo Sigmar Gabriel vorne drauf ist. Zu Hause hält er mir den Stapel unter die Nase, den er heimlich in seinen Schulranzen geschmuggelt hat. „Und wo ist Sigmar Gabriel?“, frage ich. „Den hab ich verzockt“, sagt Fup. Was will man mit Gabriel schon anderes machen, denke ich. Die SPD wird sich bestimmt über die rasante Nachfrage nach ihren Postkarten wundern. Vielleicht sollte ich der SPD schreiben, dass sie die Postkarten wieder abholen kann und dass sie bei mir im Papierkob liegen. Sonst denkt sie noch, ihre Beliebtheitswerte seien in die Höhe geschnellt.

Klaus Bittermann

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