Berliner Szenen: 10.000 Königinnen

Das Dahlienfeuer im Britzer Garten ist wieder da. Brennt aber gar nicht.

Keine Angst: Im Britzer Garten werden die Dahlien kalt genossen. Bild: Ben Newton (flickr)

Ach schön, das Dahlienfeuer ist wieder da. Hatten Sie es auch vermisst? Nein? Kann nicht sein. Die Dahlienausstellung im Britzer Garten, wo es die schneeweißen, zitronengelben, bauschigen, fransigen, glatten, sonnengelben, orangegelben, hellroten, knallroten, dunkelroten Dahlien gibt und noch ganz viele mehr? Man muss sie vermisst haben, wenn man Dahlien mag.

Und wie könnte man Dahlien nicht mögen! Dahlien sind wie Eisbergsalat, nur schöner. Dahlien reimen sich auf Italien und auf Personalien, also quasi auf Berlusconi, zum Beispiel. Aber auch auf Devotionalien und Mineralien, wenn man will.

Der Name „Dahlienfeuer“ ist für eine Dahlienausstellung natürlich etwas misslich gewählt. Man verbrennt da nämlich gar keine Dahlien. Man huldigt ihnen. Weil die Dahlie nämlich die „Königin des Spätsommers und Herbstes“ ist, die „sich 10.000-fach die Ehre gibt“, hier, im Britzer Garten. 10.000 Dahlien in rund 300 Sorten. Über 2.000 Quadratmeter Königin. Bisweilen mit Pompon, bisweilen mit Hirschgeweih (heißt so: Pompon-Dahlie, Hirschgeweih-Dahlie).

Genau wie letztes Jahr sind wir also auch diesmal zu Opas Geburtstag im Britzer Garten. Opa sagt, er wird 48. Vielleicht auch andersrum – ist ihm egal. Es ist ein schöner Tag, Oma trägt Sonnenbrille und Opa Hut. Oma hat einen Fotoapparat dabei und gibt ihn meiner Schwester, die soll Fotos machen. Macht sie.

Und ist damit nicht alleine. Man findet ja immer diese jungen Dinger etwas albern, die sich, ihr Essen, ihre Katzen, Hunde und Flohmarkteinkäufe bei jeder Gelegenheit fotografieren. Aber hier, in der Dahlienausstellung, hängt in jedem – ich schwöre, in jedem einzelnen – Beet ein Rentner oder eine Rentnerin und fotografiert die Dahlien. Meistens mit silberner Hightechkamera, ganz nah dran an den Blüten. Knips, Knips, Knips. Na, wenn man schon mal die Königin trifft.

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Jahrgang 1986. Schreibt seit 2009 für die taz über Kultur, Gesellschaft und Sex. Foto: Esra Rotthoff

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