Berliner Mauerpark: Im Gewühl auf der Suche nach Vinyl

Der Flohmarkt am Berliner Mauerpark ist zu einem Jahrmarkt geworden. Fans von alten Schallplatten kommt das teuer zu stehen.

Menschen sehen sich am sonnigen Sonntagvormittag die Waren an den Ständen des Flohmarktes im Mauerpark in Berlinan

Beim Prüfen der Ware auf dem Flohmarkt am Mauerpark Foto: Jörg Carstensen/dpa/picture alliance

Mit Flohmarkt hat Berlins größter, wöchentlich stattfindender Flohmarkt am Mauerpark nur noch am Rande zu tun. Zwischen Fressbuden, Nippesständen und fliegenden Klamottenhändlern muss man die paar Anbieter von klassischem Flohmarkt-Gebrauchtem förmlich suchen.

Aus einem Floh- ist ein Jahrmarkt geworden. Und der wiederum Teil von etwas, das man vielleicht sonntäglichen Mauerparkrummel nennen könnte. Begibt man sich an einem sonnigen Sonntag wie dem letzten auch nur in die Nähe des Parks, den einst die Berliner Mauer durchzogen hat, wird man von Menschenmassen schier niedergetrampelt, die scheinbar alle nichts Besseres zu tun haben, als auf dem extrem schmucklosen Areal, das aussieht wie ein völlig abgenutzter Fußballplatz in der Kreisliga, so etwas wie Wochenenderholung zu suchen. Familien grillen, es wird gekickt, an jeder Ecke plärren Straßenmusiker und das längst berühmte Freiluftkaraoke findet auch noch statt.

Der Flohmarkt hier ist also nur noch klitzekleiner Teil eines wöchentlichen Events, dessen Kulisse ein ganzer Stadtteil ist. In den anliegenden Cafés ist ebenfalls die Hölle los, vor einer Eisdiele bildet sich eine endlose Schlange. Wir stapfen selbst ums Eck zu einem Laden, in dem es angeblich die besten Zimtschnecken der ganzen Stadt geben soll. Auch hier warten viel zu viele Leute auf Einlass. Aber die Zimtschnecke ist wirklich gut.

Dass man als Flohmarktgänger in diesem ganzen Gewusel das als vernachlässigt betrachten muss, wegen dem man eigentlich hier ist, liegt dann auf der Hand. An Schnäppchen, die man bei irgendwelchen Studenten macht, die gerade ihren Haushalt auflösen, muss hier niemand mehr glauben.

Ernüchterung stellt sich auch ein, wenn man bei den Schallplattenhändlern herumwühlt. Schwer zu sagen, ob sie hier in Prenzlauer Berg, wo nicht gerade die ärmsten Berliner und Berlinerinnen leben und man auf Touristen mit locker sitzenden Geldbeuteln hofft, besonders teuer sind. Aber selbst für Mauerpark-Flohmarkt-Verhältnisse haben die Preise im Vergleich zur letzten Saison nochmals ordentlich angezogen. 25 Euro für irgendeine alte Platte von The Cure! Das hat eigentlich mal nicht mehr als 15 Euro gekostet. Runtergehandelt vielleicht 13,50 Euro!

Vielleicht liegts an der Inflation, daran, dass ja auch die Butter im Supermarkt und der Döner am Imbiss teurer geworden sind. Vielleicht bildet sich der neue hohe Ölpreis dank Putins Krieg jetzt schon in altem Vinyl ab. Noch wahrscheinlicher aber ist, dass der allgemein grassierende Schallplattenboom, der zu immer höheren Preisen bei der Neuware führt, jetzt auch bei den Flohmarktplatten ankommt. Platten, so lange sie nicht von Heintje oder Peter Alexander stammen, steigen einfach im Wert.

Keine guten Aussichten also für Flohmarktgänger mit einer Passion für Vinyl. Die Saison geht jetzt erst richtig wieder los – auch auf den Flohmärkten, die sich anders als der am Mauerpark noch als solche verstehen. Doch ich befürchte ein wenig, dass meine Plattentasche in diesem Jahr ziemlich leer bleiben muss.

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Dieser Artikel stammt aus dem stadtland-Teil der taz am Wochenende, der maßgeblich von den Lokalredaktionen der taz in Berlin, Hamburg und Bremen verantwortet wird.

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