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Berliner Kunsttipps der WocheWas die Bilder erzählen

Die Galerien halten im Lockdown die Stellung, zu empfehlen ist eine Tour zu Esther Schipper, Isabella Bortolozzi und Capitain Petzel.

D ie Kunst hat noch einmal Glück gehabt bei diesem zweiten sogenannten Lockdown, immerhin die kommerziellen Galerien dürfen offen bleiben. Sie gelten als Einzelhandel und müssen sich nur an die entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln halten. So fand am vergangenen Sonntag sogar ein weiteres Mal der vom Index initiierte „Sunday Open“ statt. Ein paar Galerien stellten ganz neue Ausstellungen vor, andere öffneten einfach so die Türen.

Einen eher ungewohnten Anblick der Galerie Esther Schipper – besonders für alle, die sich noch an die vorherige, imposante Schau von Philippe Parreno erinnern können – bieten seit Sonntag die kleinformatigen, fotorealistischen Gemälde von Andrew Grassie. Der Künstler hat sie der Wand entlang auf einer Linie in Zweier- und Dreiergruppen aufgehängt, als handle es sich um Stills eines Films. Ansichten eines Berliner Balkons sind darunter, fotografiert aus dem fahrenden Bus heraus. Blühende Narzissen. Parkende Autos hinter schlierigen Scheiben.

Manche der Gemälde unterscheiden sich beim flüchtigen Hinsehen kaum, die ihnen zugrundeliegenden Fotos sind nur Bruchteile von Augenblicken später oder früher aufgenommen. Es sind Bilder fürs Kopfkino, Bilder, die vom Sehen, Ansehen und Nichtsehen erzählen, denn warum Grassie gerade diese scheinbar unbedeutenden Details als Sujets gewählt hat, muss sich jede*r selbst beantworten.

Szenen aus umkämpften Räumen

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Hannah Quinlan & Rosie Hastings, deren Ausstellung bei Isabella Bortolozzi am Samstag eröffnete, arbeiten ebenfalls auf Grundlage von Fotografien. Solche vom lockdownleeren Green Park in London sind es, den die Künstlerinnen wegen dessen Lage im politischen Zentrum der Stadt, aber auch wegen seiner langjährigen Nutzung als schwules Cruising-Gebiet ausgewählt haben.

In den Fresken (ja, Fresken!), die Quinlan & Hastings für ihre Schau anfertigten, wird der Park zu einer Bühne für Personen aus der LGBTQ-Community und für deren Kampf um Raum und Öffentlichkeit in den 80er und 90er Jahren. Welche Geschichte, die abgebildeten Szenen genau erzählen, bleibt offen, aber Anspannung, unterschwellige Aggression wie nach oder vor gewaltsamen Zusammenstößen spricht aus allen von ihnen.

Die Ausstellungen

Esther Schipper, bis 27. 11., Di.–Sa. 11–18 Uhr, Potsdamer Str. 81e

Isabella Bortolozzi, bis 9. 1., Di.–Sa. 12–18 Uhr, Schöneberger Ufer 61

Capitain Petzel, bis 7. 11., Di.–Sa. 11–18 Uhr, Karl-Marx-Allee 45

Nur noch bis einschließlich Samstag ist bei Capitain Petzel eine kleine, aber sehr feine Auswahl von Aquarellen von Sanya Kantarovsky zu sehen. Fantastische kleine, poetische, auf Papier gebannte, surreale Bildwelten: Eine Judith, die dem abgeschlagenen Haupt des Holofernes noch einmal tief in die Augen blickt, Männer, die eine Schlafende durch den Park tragen, in sich verkrallte Paare, geisterhafte Wesen, ein Schlafloser auf dem Bett sitzend, dessen Kopf vor lauter Grübelei groß und größer wird. Kaum sattsehen kann man sich an ihnen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Beate Scheder

Beate Scheder Kulturredakteurin

Redakteurin für Berlinkultur und Theater, freie Kulturjournalistin und Autorin. Kunstkolumnistin für taz Berlin.
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