Berliner Kriminalstatistik: Handys gut festhalten!

Berlins Polizei zieht für 2014 Bilanz. Starker Anstieg von Eigentumsdelikten.

Die Verkleidung schreckt vielleicht Diebe ab. Bild: DPA

Ein Journalist wartet auf den Bus. Er hat sein Handy gezückt und tippt auf dem Display herum. Plötzlich kommt eine Hand von hinten und ergreift das Smartphone – sacht und ohne Gewalt. Perplex dreht sich der Kollege um. Er sieht, wie eine männliche Gestalt mit hochgezogener Kapuze wegrennt. Der Kollege nimmt die Verfolgung auf. „Haltet den Dieb! Der hat mein Handy geklaut“, brüllt er. Zwei Straßenecken bleibt er dem Dieb auf den Fersen, dann verliert er ihn in einer Grünanlage aus den Augen.

Der Vorfall hat sich Freitagabend nahe Anhalter Bahnhof ereignet. Es ist kein Einzelfall. Am Montag stellten Polizeipräsident Klaus Kandt und Innensenator Frank Henkel (CDU) die polizeiliche Kriminalstatistik für 2014 vor. Insgesamt wurden in Berlin 543.156 Straftaten erfasst. Das sind 7,9 Prozent mehr als im Vorjahr (39.991) und ist damit die höchste Anzahl im Zehnjahresvergleich. Die Aufklärungsquote beträgt 44,9 Prozent und ist um 1,2 Prozent gestiegen. Deutlich zugenommen haben Taschendiebstahl (plus 54 Prozent) und Fahrraddiebstahl (plus 16 Prozent). Bei einer Aufklärungsquote von 4 Prozent ist das Entdeckungsrisiko bei diesen Delikten ausgesprochen gering.

Mehr Delikte von Rechten

Bei politisch motivierter Kriminalität von rechts wurde ein Anstieg um 151 Taten oder 11 Prozent auf nunmehr 1.536 Fälle registriert. Zentrales Thema innerhalb der rechten Szene sei die Errichtung weiterer Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylbewerber gewesen, sagte Kandt (siehe auch taz vom 23. Februar). Somit seien im Zusammenhang mit der „Ausländer- und Asylthematik“ 209 Delikte von rechts gezählt worden (plus 133 Fälle gegenüber 2013), darunter 21 Gewaltdelikte (plus 15 Fälle).

Die links motivierte politische Kriminalität habe ebenfalls deutlich zugenommen, und zwar um 30 Prozent auf nunmehr 1.350 Fälle. Auch hier habe die Auseinandersetzung mit der Flüchtlingsthematik mit 408 Delikten (2013: 174 Fälle) im Fokus gestanden. Davon waren 192 Gewaltdelikte (2013: 88 Fälle).

„Wo Licht ist, ist auch Schatten“, sagte Kandt. Mit Licht könnte gemeint sein, dass Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit – Bedrohung, Nötigung oder Stalking – um 3,3 Prozent gesunken sind und damit den niedrigsten Stand seit 1996 erreichten.

Der Journalist hat sich übrigens ein neues Smartphone gekauft. Er wird es gut festhalten. Als er Strafanzeige erstattete, erzählten ihm Polizisten von einer Masche, die in der U-Bahn um sich greife: Beim Abfahrtssignal schnappen sich die Täter die Handys von Fahrgästen und springen damit noch schnell aus dem Zug.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de