: Berliner Interesse an „Carlos“
■ An Anschlag auf „Maison de France“ beteiligt? / Gegenwärtig kein Auslieferungsantrag gestellt
Berlin (dpa/bb/afp) –Die Berliner Staatsanwaltschaft will den in Frankreich einsitzenden Top-Terroristen Ilich Ramirez Sanchez, genannt Carlos, vernehmen. Der Berliner Generalstaatsanwalt beim Kammergericht, Dieter Neumann, sagte gestern, daß ein entsprechendes Ersuchen an die französischen Behörden gegangen sei. Carlos wird von der Berliner Justiz verdächtigt, hinter dem Anschlag auf das französische Kulturzentrum Maison de France im August 1983 zu stehen.
Gegen ihn liegt ein Haftbefehl des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten wegen Mordes vor. Die Frage einer Auslieferung von Carlos nach Deutschland stelle sich „im Augenblick nicht“. Allerdings habe die Berliner Justiz nach wie vor ein Interesse daran, daß Carlos wegen des Anschlags vor Gericht kommt.
Der zuständige Pariser Ermittlungsrichter Jean-Louis Bruguière war nach Neumanns Angaben bereits vor der Festnahme von Carlos in Berlin, um die Unterlagen der Berliner Staatsanwaltschaft einzusehen. Dazu zählen auch zahlreiche Stasi-Akten, unter anderem auch Kopien von Aufzeichnungen des Carlos-Stellvertreters Johannes Weinrich. Weinrich wird ebenfalls wegen Mordes von der Berliner Justiz gesucht.
Nach Angaben aus Berliner Justizkreisen hat sich der jetzige Verteidiger von Carlos in Paris, Jacques Vergès, in Ostberlin 1982 mit Weinrich getroffen. Dies ergäben Stasi-Unterlagen. Über den Inhalt der Gespräche ist den Angaben zufolge von der Stasi nichts aufgezeichnet.
In Frankreich hat Justizminister Pierre Mehaignerie gestern die Justiz angewiesen, die Ermittlungen wegen zwei Anschlägen auf den Schnellzug Paris-Toulouse und den Hauptbahnhof von Marseille Anfang der 80er Jahre wieder aufzunehmen. Auch für diese Anschläge soll sich Carlos verantworten.
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