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■ BerlinalienGrün-schwarze Begegnung an roter Ampel

Es gibt wenige Punkte, bei denen Bernd Köppl(45), Abgeordneter von Bündnis 90 /Die Grünen im Berliner Landesparlament, so richtig fundamentalistisch wird. Schließlich ist er ein Oberrealo, der zum Entsetzen der Grünen schon Ende 1989 die deutsche Einheit befürwortete, anschließend für den Regierungssitz Berlin stritt und vor Beginn der rot-grünen Koalition seine Parteifreunde aufforderte, um der Regierungsfähigkeit willen „heilige Kühe zu schlachten“. Doch wenn es ums Radfahren geht, gibt es keine faulen Kompromisse für den verheirateten Umweltmediziner, der einst mit einem denkwürdigen Beitrag in einer Fernsehdebatte zum Wahlerfolg seiner Partei beitrug: das inhaltsleere Wahlkampfgeblubber der anderer Politiker beantwortete er mit dem Absingen des Kinderliedes: „Wir werden immer größer, ganz von allein.“

Derzeit sieht er sich als politischer Geisterfahrer ganz besonderer Art verfolgt. Wenn ein Grüner nämlich bei Rot einer Schwarzen die Vorfahrt nimmt, hat das unter Umständen nachhaltige Folgen: Köppl jedenfalls wird jetzt von der Berliner Verwaltung der Führerscheinentzug angedroht, weil er „offensichtlich nicht bereit ist“, die Verkehrsregeln „konsequent zu beachten“.

Der Abgeordnete war Mitte Mai mit seinem Fahrrad auf einer Kreuzung der Berliner Parlamentspräsidentin Hanna-Renate Laurien(CDU) und deren Dienstwegen in die Quere gekommen. Die stramme Katholikin Laurien, mit dem Segen des grünen Ampellichts gestärkt, wollte anschließend per Brief wissen, ob der Grüne denn wenigstens ein schlechtes Gewissen habe. Doch von Reue keine Spur, mußte die Präsidentin erfahren. „Wer wie ich etwa 15.000 Kilometer im Jahr Fahrrad in Berlin fährt, kann sich unmöglich dauernd an die Autoverkehrsvorschriften halten, sonst lebt er zu gefährlich und kommt viel zu langsam vorwärts“, schrieb Köppl zurück. Er sei gerne bereit, einen Tag gemeinsam mit Frau Laurien von Termin zu Termin zu radeln, um ihr das harte Alltagsleben eines Radfahrers zu demonstrieren, bot er an. Dies freilich lehnte die Christdemokratin mit der Begründung ab, beim Radeln sei kein Aktenstudium möglich.

Auch nach der Drohung der Verwaltung will Köppl, mit acht Jahren Dienstzeit im Parlament einer der erfahrensten grünen Landespolitiker, nicht klein beigeben. Er freue sich angesichts der tagtäglichen Benachteiligung der Radler in der Verkehrsplanung auf die Auseinandersetzung mit der „Autolobby“ in der Amtsstube, ließ er die Behörde wissen: „Der verantwortungsbewußte und zügige Fahrradfahrer mißachtet“ zuweilen „zu seinem eigenen Schutz“ die Verkehrsregeln, „selbst wenn dabei der Gruppenleiter im Landeseinwohnermeldeamt vor Wut ins Lenkrad beißt“. Gerd Nowakowski

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