Berlin/Teheran: Ausstellung nun doch abgesagt
Der Airbus-Deal ist unter Dach und Fach. Die Ausstellung ist abgesagt. Und die Welt ist erst einmal wieder in Ordnung. Denn die nach dem MoMA-in-Berlin-Rezept gestrickte Blockbuster-Schau „Die Teheran Sammlung. Das Teheran Museum für Zeitgenössische Kunst in Berlin“, die hier am 4. Dezember eröffnen sollte und die nun vonseiten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wegen fehlender Ausfuhrgenehmigungen der Kunstwerke endgültig abgesagt wurde, war von vornherein ein hochproblematisches Projekt.
Gefeiert werden sollte eine 40 lange Jahre den Augen der Öffentlichkeit entzogene, wertvolle Sammlung westlicher Kunst; entstanden, wie gern betont wird, im außereuropäischen Kontext: Als „globales Museum“ Reza Pahlavis, des 1979 von Chomeini gestürzten Schahs von Persien, das seine Frau Farah Diba mithilfe des Kurators David Galloway in den 70er Jahren aufgebaut hatte.
Feiern wollten sich damit die Staatlichen Museen zu Berlin, wären doch sie es gewesen, die den heutigen Machthabern im Iran diesen Schatz erstmals entlockten. Kostbare Leihgaben, die die heutigen Herrscher einer streng islamischen Republik nicht würdigen, sondern zu großen Teilen im Depot des Teheran Museum verstecken. Nobilitiert werden sollte durch die Schau mit Werken von Warhol, Rothko und anderen – ergänzt um Arbeiten der iranischen Nachkriegsmoderne – just dieses Regime, das gerade in der bedauernswerten Stadt Aleppo Kriegsverbrechen mitzuverantworten hat, das aber die wahren Strippenzieher des Ausstellungsprojekts, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der Chef der Kulturabteilung des Auswärtigen Amts, Andreas Görgen, trotzdem als weltoffen, reformiert oder wenigstens reformbereit verkaufen möchten.
Hermann Parzinger, Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz – die es nach der Pleite mit der „Kunst der Aufklärung“-Ausstellung 2011 in Peking, als Ai Weiwei verhaftet wurde, besser wissen müsste –, sekundierte brav und fantasierte von liberalen Kräften, die doch tatsächlichen einen schwulen Francis Bacon aushielten. Ihre eigenen Filmemacher, zeitgenössischen bildenden Künstler und Literaten können diese liberalen Kräfte freilich nicht aushalten, weswegen sich ein „künstlerischer Dialog“ – wie der politisch instrumentalisierte Kulturaustausch heißt – auf dieser Ebene für die auswärtige Kulturpolitik offenbar verbietet.
Was aber veranlasst die deutsche Politik überhaupt, eine angestrebte wirtschaftliche und politische Annäherung an den Iran als ein solch anmaßendes pädagogisches Bildungsprojekt anzugehen? Doch nicht die Scham, Airbus verkaufe an ein Drecksregime?
Brigitte Werneburg
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