Bergbau im Saarland: Todesstoß durch Beben

Ministerpräsident Müller geht davon aus, dass im Saarland keine Kohle mehr abgebaut wird.

Bergmänner im Saarland: Gebirgsschläge sorgen für einen noch schnelleren Abbau ihrer Arbeitsplätze. Bild: dpa

FREIBURG taz Zwei Tage nach dem bislang schwersten bergbaubedingten Erdbeben im Saarland ist die endgültige Schließung der betreffenden Zeche im Gespräch: "Wir müssen davon ausgehen, dass der Abbaustopp dauerhaft bestehen bleibt", so der saarländische CDU-Regierungschef Peter Müller am Montag.

Nach ersten Einschätzungen von Experten lagen bei dem Beben nahe dem Bergwerk Ensdorf nicht einmal grobe Versäumnisse der Bergwerksgesellschaft RAG Deutsche Steinkohle vor. Vielmehr seien derartige Beben naturgegeben.

"Gegen solche Beben, die wir Gebirgsschläge nennen, kann man nichts machen", sagte gestern ein Insider, der nicht namentlich zitiert werden will - "das ist eine Frage des Gesteins, und wenn das so hart ist, wie im Saarland, dann können solche Beben eben vorkommen." Nur hatte niemand damit gerechnet, dass ein Beben eine Stärke von 4,0 erreichen könnte. Das bestätigt auch Axel Preuße, Leiter des Aachener Instituts für Bergschadenkunde und Geophysik: "Stöße von dieser Intensität waren nicht zu erwarten".

Die RAG Deutsche Steinkohle wirbt noch damit, dass das letzte verbliebene Bergwerk an der Saar in Ensdorf "eines der leistungsfähigsten" des Unternehmens sei. Die Dimension macht aber die Probleme: In Ensdorf werden in 1.500 Meter Tiefe täglich 5.000 Quadratmeter Gesteinsfläche freigelegt - womit sich die Druckverhältnisse im Deckgebirge massiv verändern.

So sind bei der Kohleförderung Erdbeben nicht zu vermeiden. Branchenkenner rechnen nun damit, dass der Bergbau im Saarland endgültig tot ist. Nach den Plänen der RAG sollte die Zeche Ensdorf erst Ende 2014 dichtgemacht werden. Doch das aktuelle Beben ist bereits das 35. in diesem Jahr. Und Ministerpräsident Müller verhängte einen unbefristeten Abbaustopp für das letzte saarländische Bergwerk.

Erst wenige Tage zuvor hatte Müller die massiven Erderschütterungen der Vergangenheit kritisiert: "Die Ereignisse sind aufgrund ihrer Zahl und Intensität den Betroffenen auf Dauer nicht zuzumuten." Der Landesverband der Bergbaubetroffenen Saar fordert seit Jahren, den Kohleabbau zu beenden. Nach seinen Angaben sind 150.000 Menschen von den häufigen Beben betroffen. Am 3. März will der Verband am Hauptsitz der RAG in Essen für das Ende des Kohleabbaus an der Saar demonstrieren. Am Sonntagabend demonstrierten 6.000 Menschen in Saarwellingen, am Montagabend wollten sie das wiederholen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de