Belastung durch Pestizide: Gift im Wein
Die Ewigkeitschemikalie TFA ist oft im Wein nachweisbar, zeigt eine Untersuchung. Die Substanz gilt als gesundheitsschädlich.
„Wir konnten die Ergebnisse zuerst gar nicht glauben“, sagt Burtscher-Schaden. Die Schadstoffkonzentration in vielen Weinen sei sogar 100- bis 1000-fach höher als die in Regen und Gewässern. Anhand der Weinjahrgänge lässt sich zudem die Belastung im Zeitverlauf betrachten.
Während Weine bis 1988 frei von TFA waren, steigt die Konzentration danach immer schneller an. In allen jüngeren Weinen konnte TFA nachgewiesen werden. „Der Schaden ist irreversibel“, sagt Burtscher-Schaden. „TFA ist eine Ewigkeitschemikalie und wird nicht wieder weggehen.“
Von Ewigkeitschemikalien spricht man bei den sogenannten per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). Das sind extrem resistente Substanzen, die vor allem wegen ihrer wasserabweisenden Qualitäten in vielen Alltagsgenständen verwendet werden, etwa Regenjacken oder Backpapier.
Über Pestizide gelangen PFAS ins Grundwasser
Lange wurden sie als unbedenklich eingeschätzt und ihre Verbreitung kaum überwacht. Mittlerweile stehen PFAS im Verdacht, diverse Gesundheitsschäden bis hin zu Krebs auszulösen. In den Körper gelangen sie vor allem, weil sie sich zunehmend im natürlichen Wasserkreislauf ablagern.
Wie das Umweltbundesamt 2023 analysierte, geschieht das vor allem durch die Verwendung PFAS-haltiger Pestizide in der Landwirtschaft. Im Grundwasser werden diese zu TFA abgebaut. Die Bundesstelle für Chemikalien schätzt TFA als „reproduktionstoxisch“ ein, also fortpflanzungsgefährdend.
Ein erster Schritt gegen das Problem könnte in den kommenden Monaten gemacht werden, sagt Salomé Roynel vom Pesticide Action Network. Dann entscheidet die EU über ein Verbot des PFAS-Pestizids Flutolanil. „Wir hoffen, dass die Mitgliedstaaten verstehen, dass dies ein entscheidender Moment für die Zukunft unserer Gesundheit ist, und für das Verbot stimmen.“
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!