: Bazooka gegen Lord Donald
Jetzt packt Deutschland im Konflikt mit den USA eine Geheimwaffe aus. Bestimmte Vornamen werden gestrichen
Von Frank Lorentz
Niemand kann den Namen mehr hören. Der verhaltensauffällige amerikanische Präsident beherrscht die öffentliche Wahrnehmung wie kein Zweiter. Inzwischen gilt er als der neue Lord Voldemort, niemand will seinen Vornamen mehr aussprechen. Das hat Konsequenzen bis in die deutsche Politik und die Behörden.
In den Fluren des Münsteraner Standesamts drängeln sich an die 200 Menschen. Alles Männer. Die meisten heißen Donald. „So voll ist es neuerdings täglich“, stöhnt Sachbearbeiterin Beate Schlie während einer Drei-Sekunden-Pause in der Kaffeeküche. „Früher kamen die Leute zu uns, um zu heiraten. Kaum einer wollte einen neuen Namen. Und jetzt? Wir haben null Termine mehr für Hochzeiten!“
Kanzler Merz ließ sich viel Zeit. Doch er war nicht etwa faul, arbeitsscheu oder krank wie die meisten Deutschen. „Die ständigen Vorwürfe aus den USA, wir würden uns in die falsche Richtung entwickeln, konnten wir nicht länger hinnehmen“, sagt Lothar von Magerlotz, Chef der im Kanzleramt angesiedelten Abteilung für kommunikative Spezialoperationen. „Der Plan des Kanzlers war, einen verbalen Gegenschlag auszuhecken, der weh tut, aber den Gegner noch nicht final zu Boden schickt. Eine nette, kleine Bazooka.“ Aber wie das so ist, wenn in Deutschland Waffen entwickelt werden: Irgendwann will man die totale Vernichtung. „Darum ist es eine Bazooka mit krasser Wucht geworden: eine Abwrackprämie für den furchtbarsten Vornamen unserer Zeit!“
Seit Kurzem bekommt jeder Deutsche, der den Vornamen Donald trägt und ihn gegen einen neuen unkontaminierten eintauscht, bis zu 15.000 Euro Prämie vom Staat – und das steuerfrei. Die Summe setzt sich zusammen aus 10.000 Euro Sockelbetrag plus 5.000 Euro Bonus, wenn jemand seinen Namen in Friedrich ändert. Kanzlerbonus.
„Wir wollen, dass es keinen deutschen Donald mehr gibt!“, tönt von Magerlotz. „Wir kaufen diesen toxischen Namen auf, koste es, was es wolle. Und dann schreddern wir ihn und karren den Müll vors Weiße Haus. Take that, Trump!“
Die Botschaft: Deutschland ist friedliebend, aber wortgewaltbereit. Und kann noch viel mehr tun: Auf der Blacklist der Bundesregierung finden sich noch weitere abwrackfähige Vornamen. Darunter die der Bullshitter von Teufels Gnaden: James David „J. D.“ Vance, Stephen Miller und Peter Thiel. An Zustimmung fehlt es dem Merz’ schen Plan jedenfalls nicht. Laut einer Blitzumfrage der ARD können sich 87,8 Prozent aller Donalds mit deutscher Staatsbürgerschaft vorstellen, ihren Namen zu Asche zu machen. Peter: 73 Prozent. Und das ist erst der Anfang. Sollten die US-amerikanischen Turbulenzen nicht aufhören, wird ab Juni 2026 die zweite Eskalationsstufe gezündet.
Dann droht den deutschen Filialen von McDonald’s die Zwangsumbenennung. „Pommes Fritz futtern bei McFriedrich’s. So wird’s dann heißen. Merz merzt Donald aus“, frohlockt von Magerlotz. Namen sind Identität. Und Emotion. Da geht’s ans Eingemachte. „Sage keiner mehr, der Kanzler hält sich nur mit Nebenbaustellen auf.“
Selbst vor einem Heiligtum will die Bundesregierung nicht halt machen: Zu seinem 92. Geburtstag am 9. Juni 2026 wird Donald Duck umbenannt in Fritz Duck. Der beliebte Pechvogel soll dann zum Wappentier der Bundesregierung werden. Allerdings soll der Disney-Konzern die amerikanische Regierung zu einem massiven Gegenschlag drängen. Weshalb das Kabinett Merz bereits eine dritte Eskalationsstufe vorbereitet.
Deutschland plant einen Namens-Ringtausch mit Surinam, Sri Lanka und einem afrikanischen Land. Ab September könnte alle paar Tage ein Zufallsgenerator bestimmen, ob Deutschland gerade Deutschland heißt oder vielleicht Burkina Faso. Das kluge Ziel: Verwirrung stiften beim Gegner und möglichst wenig Angriffsfläche bieten.
Bleibt die Sache mit den fehlenden Hochzeitsterminen. Alle Standesämter hierzulande sind derzeit so überfüllt wie das Münsteraner und entlassen am laufenden Band Männer mit neuen Namen. Kein Problem für von Magerlotz, der auch hierfür eine Lösung hat: „Ein Soforttermin ist möglich. Voraussetzung ist bloß, dass sich der eheschließende Noah oder Leon in Friedrich umbenennt.“
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