: Baumwoll-Börse: Fücks' Vision „abenteuerlich“
■ Die Welt-Baumwoll-Familie trifft sich in Bremen
Ca. 600 Unternehmer, Fachleute und Wissenschaftler aus der Baumwoll-Branche haben sich in Bremen zu der „21. Internationalen Baumwolltagung“ versammelt. Das breite Vortragsprogramm geht von „Global Developments in Cotton Production“ bis zu „Einfluß der Baumwoll-Fasereigenschaften auf Ausspinngrenze und Fadenbruchhäufigkeit von rotor-gesponnenen Garnen“. Management, Technik und Markt sind die Themen des Treffens, daneben soll die Tagung natürlich auch Anlaß zu Geselligkeit in der Baumwoll-Familie sein.
Bremen, das weltweit mit zu den größten Baumwoll-Importhäfen zählt, habe sich als Umschlagplatz zwar behaupten können. Dennoch sei es nicht selbstverständlich, „daß jeder Baumwoll- Container automatisch den Weg über Bremen nehme“, erklärte der Präsident der Bremer Baumwollbörse, Fritz Grobien. Besonders ärgert den Baumwoll-Handel deshalb, wenn der neue Umweltsenator Ralf Fücks in den alten Hafenrevieren am rechten Weser-Ufer Wohn-Kerne plant. „Abenteuerlich“, sagt Grobien, der Baumwoll-Hafenumschlagplatz Bremen sei gefährdet, wenn es nicht mehr genügend Flächen für Spedition und Lager gebe. Dies finde in diesen Hafenrevieren statt. „Auch die Vision von Herrn Fücks wird obsolet, wenn die Bremer keine Arbeitsplätze und finanziellen Mittel mehr haben, um ihre Wohnungen zu bezahlen“, heißt es in der Stellungnahme der Baumwollbörse.
Noch ist Bremen einer der wichtigsten Baumwoll-Handelsplätze der Welt. Im vergangenen Jahr habe sich aber ein „dramatischer Preisverfall“ um rund 40 Prozent ergeben: Die GUS-Staaten exportieren deutlich mehr als die alte SU, um Devisen zu verdienen, und die Konkurrenz der Chemie-Fasern ist hart. Insbesondere in den neuen Bundesländern ist die Baumwoll-verarbeitende Industrie völlig zusammengebrochen, erklärte der Vertreter ders Industrieverbandes Garne, G. Schoeller. Der Absatz an heimisch produzierter Ware ist auf 10 Prozent des DDR-Absatzes zurückgegangen. „Von der Öffnung der Mauer haben wir nichts gemerkt“, meinte Schoeller.
Insgesamt wurden 1991 in den Bremischen Häfen 54.851 Tonnen angelandet, die im Transit für verschiedene europäische Abnehmerländer bestimmt waren. Damit wurde das Vorjahresergebnis um 22.860 Tonnen unterschritten. Haupteinbußen ergaben sich vor allem im Transit nach Italien, das mehr Baumwolle über Holländische Häfen bezog. K.W.
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