: Bald wieder deutsche Wolga-Republik
■ Entscheidung in diesem Jahr/ Abkommen bei Besuch Jelzins im November angestrebt
Bonn (ap) — Die Bundesregierung erwartet noch in diesem Jahr eine politische Entscheidung über die Schaffung einer deutschen Republik an der Wolga. Sie habe Vorrang, weil die zwei Millionen Deutschen in der Sowjetunion eine solche Republik „als Identifikationsschwerpunkt für ihre kulturelle und wirtschaftliche Zukunft“ ansähen, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär Horst Waffenschmidt vom Bundesinnenministerium nach Gesprächen mit dem russischen Minderheitenminister Leonid Prokopjew in Bonn.
Die „deutsche Wolga-Republik im Verband der russischen Föderation“ solle im Bereich des früheren autonomen Gebietes der Wolgadeutschen entstehen, erklärte Prokopjew. Eine gemeinsame Erklärung und ein Rahmenabkommen sollten für den Besuch des russischen Präsidenten Jelzin vorbereitet werden, der am 21. November nach Bonn kommt. Vorher wolle Jelzin an dem am 18. Oktober in Moskau beginnenden Kongreß der Rußlanddeutschen teilnehmen. Auf dem 28.000 Quadratkilometer großen ehemaligen Siedlungsraum der Wolgadeutschen leben nach Angaben Prokopjews gegenwärtig 500.000 Menschen verschiedener Nationalitäten. Die Mehrheit sei noch gegen eine Rückkehr der Deutschen. „Es wird kein einfacher Weg“, sagte Prokopjew.
Von der Bildung einer deutschen Wolga-Republik wird es nach Meinung Waffenschmidts abhängen, ob der Aussiedlerstrom aus der Sowjetunion nachläßt. Bei den Gesprächen mit Prokopjew habe Übereinstimmung bestanden, bereits ab 1992 verstärkt Deutsche, die in anderen Teilen der Sowjetunion leben, an der Wolga anzusiedeln. Prokopjew betonte jedoch, Rußlanddeutsche hätten das Recht, sich überall in der UdSSR niederzulassen. Die Bundesregierung werde die Ansiedlung finanziell unterstützen, sagte Waffenschmidt. Neue Dörfer, mittelständische Betriebe, landwirtschaftliche Einrichtungen sowie Schulen, Krankenhäuser und deutsche Kulturzentren würden gebaut. Die Einrichtungen sollen auch der übrigen Bevölkerung zugute kommen, um Neid und Eifersucht zu vermeiden.
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