: Autobahnen zu Grünanlagen
Gobal denken, lokal handeln: Wie Städte das Klima schützen können / Ideenaustausch auf dem Weltbürgermeistergipfel / Berlin setzt weiter auf mehr Autoverkehr ■ Von Nicola Liebert
Um 20 Prozent wollen ihre Kommunen die Kohlendioxidemissionen bis 2005 senken. Das versprachen die 150 nach Berlin gereisten Stadtoberhäupter auf dem gestern zu Ende gegangenen Welt-Bürgermeistergipfel in Berlin. „Das wichtige ist nicht die Zielfestlegung“, betont aber Patricia MacKenzie vom 20-Prozent-Club, einem kanadischen Städtenetz zur gegenseitigen Unterstützung bei der CO2- Reduktion. „Wichtiger ist, daß die Stadtverwaltungen einen konkreten Klimaschutzplan machen und sich Jahr für Jahr daran halten.“
Saarbrücken, Hannover und Heidelberg haben bereits seit Anfang der 90er Jahre ein Klimaschutzprogramm. Freiburg legte sich schon 1986 auf den Ausbau der Fernwärme und die Kraft- Wärme-Koppelung fest. Die Stadt fördert die Solarenergie, baut einen neuen Stadtteil in Niedrigenergie-Bauweise, und Neubauten auf städtischen Grundstücken dürfen nur etwa halb soviel Energie verbrauchen wie herkömmliche Gebäude. Zudem werden Bus und Rad gefördert. Den Wählern hat's gefallen: 1994 konnten die Grünen ihr Wahlergebnis von 20 auf 24 Prozent steigern.
Dennoch muß Umweltbürgermeister Peter Heller (Grüne) schon zufrieden sein, daß der Freiburger Autoverkehr nicht, wie sonst überall, zunimmt. „Hier zeigen sich die Grenzen kommunaler Handlungsfähigkeit.“
Da müßten landes- und bundespolitische Rahmenbedingungen her, die den Kommunen weitere Maßnahmen wie die Einführung einer Nahverkehrsabgabe ermöglichen. Auch beim Wärmeschutz an Häusern auf privaten Grundstücken beklagt Heller, daß den Kommunen die Hände gebunden seien.
Da haben kanadische Städte einen Ausweg gefunden. Toronto verweigert Baugenehmigungen, wenn das geplante Gebäude nicht energieeffizient ist, erklärt Bürgermeisterin Barbara Hall. Noch wichtiger: Auch die bestehenden Gebäude werden nachgerüstet. Städtische Energieagenturen rechnen den Hausbesitzern vor, wie sie Energie und damit Geld sparen. Spezielle Kredite stehen zur Verfügung, die durch die Energieeinsparung abgestottert werden. Um fünf Prozent wurde der CO2-Ausstoß in Toronto schon gesenkt.
Portland, Oregon, verwandelte eine sechsspurige Stadtautobahn in eine Grünanlage. Kopenhagen verpflichtet alle Haushalte, sich an das Fernwärmenetz anzuhängen. Mexiko-Stadt belohnt nicht mehr Stromgroßkunden, sondern hat einen progressiven Stromtarif eingeführt. Kassel vermindert durch eine Güter-Mitfahrzentrale den Lkw-Verkehr.
Der Berliner Senat konnte, wenn er wollte, auf dem Städtegipfel viel lernen. Der Gastgeber hat sich zwar 1990 verpflichtet, bis 2010 die Treibhausgasemissionen zu halbieren. Inzwischen halten sich aber die Verantwortlichen offenbar selbst für bescheuert und versprechen nur noch eine Reduktion um 25 Prozent. Ein Energiekonzept wurde immerhin vor drei Monaten beschlossen. Die CO2- Minderung gegenüber 1987 um zehn Prozent liegt allerdings im wesentlichen am Zusammenbruch der Ostberliner Wirtschaft, mußte selbst Bürgermeister Eberhard Diepgen einräumen.
Umweltschützer klagen, daß der künftige Regierungssitz beim Klimaschutz so gut wie alle Chancen verpaßt. Bis zu 400.000 Wohnungen werden in den nächsten 15 Jahren neu gebaut, und eine riesige Zahl Altbauten wird saniert. Doch statt konsequent auf Niedrigenergie-Bauweise zu setzen, ist nur von einigen Modellvorhaben die Rede.
Stefan Bundscherer vom Berliner BUND ärgert sich, daß aus dem Energiekonzept fast alle Bestimmungen zum Verkehr gestrichen wurden. Im Flächennutzungsplan seien 72 Kilometer neue Autobahnen und autobahnähnliche Straßen vorgesehen. Berlin setzt auf mehr Autos und den Katalysator. „Anscheinend hat niemand den Beamten gesagt, daß der Kat kein CO2 aus den Abgasen filtert“, vermutet Bundscherer.
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