Ausschreitungen in Niederlanden: Wieder Chaosnacht mit Randale

In vielen Städten randalieren erneut vor allem Jugendliche und Hooligans. Im belgischen Grenzgebiet wachsen Sorgen vor Ausbreitung der Gewalt.

Ein Mann ist beim Aufräumen durch das beschädigte Glas in einem Fast-Food-Restaurant zu sehen, das bei Protesten gegen eine landesweite Ausgangssperre eingeschlagen wurde.

Zerstörtes Fenster eines Fast-Food-Restaurants in Rotterdam am Montagabend Foto: Peter Dejong/ap/dpa

AMSTERDAM taz | Nach der dritten Nacht gewaltsamer Proteste in den Niederlanden finden Bürgermeister der betroffenen Städte harte Worte: „Schamlose Diebe, anders kann ich es nicht nennen“, sagte der Rotterdamer Ahmed Aboutaleb. In der Hafenmetropole wurden am Montagabend mehrere Geschäfte geplündert und Polizisten mit Steinen und Feuerwerk angegriffen. Es gab allein 50 Festnahmen in der Stadt, zehn Polizisten wurden verletzt.

„Fühlt es sich gut an, die Stadt zerstört und Unternehmern der eigenen Stadt geschadet zu haben? Fühlt es sich gut an, neben einer Tüte voll gestohlener Gegenstände aufzuwachen?“, richtete sich Aboutaleb am Dienstag per Videobotschaft an die Randalierer, aufgenommen am Schauplatz der Gewalt im Stadtteil Zuid. Sein Amtskollege aus Haarlem, Jos Wienen, sagte, die schwerwiegenden Maßnahmen zur Coronabekämpfung gäben niemand das Recht zu Brandstiftung und Zerstörung während der Sperrstunde.

Rotterdam und Haarlem waren zwei der Städte, in denen es am Montagabend erneut zu teilweise schweren Ausschreitungen kam. Betroffen waren auch ein Viertel im Osten von Amsterdam, Utrecht, Veenendaal, Almelo, Amersfoort, Den Haag und Helmond sowie das bei Aachen gelegene Grenzstädtchen Geleen. Insgesamt nahm die Polizei 184 Personen fest. Besonders drastisch war die Lage in Den Bosch, wo unter anderem ein Supermarkt, ein Schuhgeschäft und ein Zeitungsladen geplündert, Schaufenster eingeschlagen und Autos zerstört wurden. Am Dienstagmorgen fanden sich Freiwillige im Zentrum der Stadt ein, um beim Aufräumen zu helfen.

Empörte Reaktionen gab es auch seitens Abgeordneter. „Dies ist kein Protest, sondern die Zerstörung des eigenen Wohnorts, auf Kosten von Sanitätern, Ladeninhabern und Polizisten. Hört auf damit!“, twitterte Bente Becker von der Regierungspartei VVD. Premier Mark Rutte, nach dem Rücktritt seines Kabinetts Mitte Januar kommissarisch im Amt, forderte am Dienstagmittag nach einer Beratung mit Justizminister Ferd Grapperhaus und dem Polizeichef Henk van Essen, die „kriminelle Gewalt“ müsse gestoppt werden. „Die Randale hat nichts mit Protestieren oder Kämpfen für Freiheit zu tun.“

Unübersichtliche Gemengelage der Coronaproteste

Die Ausschreitungen fielen mit der ersten Sperrstunde in der Nacht zum Sonntag zusammen und entstanden aus einer unübersichtlichen Gemengelage von Coronaprotesten, die sich in den letzten Wochen ausgebreitet und radikalisiert haben. Am Sonntag war es wie schon eine Woche zuvor auf dem Amsterdamer Museumsplatz zu gewaltsamen Konfrontationen zwischen Demonstrierenden und der Polizei gekommen. Zeitgleich eskalierte eine ähnliche Kundgebung in Eindhoven und mündete in eine Welle massiver Zerstörungen rund um den Bahnhof.

Deutlich ist, dass die aufgestaute Frustration wegen der monatelangen Coronamaßnahmen nur ein Auslöser der Gewaltwelle war. Getragen wurde diese vor allem von Jugendlichen und Hooligans. Justizminister Grapperhaus kündigte für mögliche weitere Ausschreitungen ein hartes Vorgehen der Polizei und die strenge Bestrafung von Tätern an.

Unterdessen wachsen im belgischen Grenzgebiet zu den Niederlanden Sorgen vor einer Ausbreitung der Gewalt auf das eigene Land. Laut belgischen Medien zirkulierten mehrere entsprechende Aufrufe in sozialen Medien. Laut der Tageszeitung De Morgen probierte ein junger Mann am Montagabend in dem grenznahen Ort Maasmechelen, einen Molotowcocktail gegen das Haus eines früheren Bürgermeisters zu werfen. Die Flasche zerschellte allerdings auf der Straße.

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