Aufrechter Gang in Bayern erfunden

Großartiger Danuvius guggenmosi!

Überreste eines im Allgäu entdeckten Primaten revolutionieren unser Verständnis der Menschwerdung. Homo sapiens kam allerdings anderswo zur Welt.

Knochen von Danuvius guggenmosi

Knochen, die den aufrechten Gang bedeuten. Foto: Christoph Jaeckle/reuters

Ein Haufen versteinerter Knochen ist alles, was von ihm geblieben ist. Und doch hat er das Zeug für eine Revolution der Evolution. Danuvius guggenmosi heißt der Primat, den Forscher in einer Tongrube im Allgäu identifiziert haben. Die Skelettreste deuten auf eine ausgeprägte Beweglichkeit des Urbayern hin und lassen darauf schließen, dass er zumindest zeitweilig auf zwei Beinen unterwegs war: Damit hätte er den aufrechten Gang fünf Millio­nen Jahre früher erfunden, als die Forschung bislang vermutet hatte.

Das hätte man sich allerdings auch denken können: Diese Urbeweglichkeit ist noch heute in die bayerische DNA, also die CSU, eingebrannt. Gestern noch Gift und Galle gegen jeden Öko, heute schon oberste Bienenstreichler. Gestern Flüchtlingsabschiebungen als Geburtstagsgeschenk feiern, heute Flüchtlinge aus dem Wasser angeln. Gestern Auto-, heute Bahnpartei. Eine „multimodale Beweglichkeit“ eben, wie die Forscher sie auch bei Danuvius guggenmosi festgestellt haben.

Der aufrechte Gang stammt also aus Bayern, nicht aus Afrika. Laptop, Lederhose und „Langarmbeinklettern“ sozusagen.

Aber ehe die Lokalpatrioten jetzt gleich überschnappen: Was hat die tolle Innovation uns gebracht? Rückenschmerzen! Bandscheibenvorfall! Hexenschuss! Und letztlich haben die Bayern dann doch wieder nichts draus gemacht. Es waren nämlich die Afrikaner, die das neue Gadget bis zur Serienreife als Homo sapiens entwickelt haben, während Danuvius guggenmosi sang- und klanglos ausgestorben ist.

Gelobt sei der Laien-Wissenschaftler!

Es ist wie mit dem Transrapid: Auch diese revolutionäre Technik wurde erst in Bayern entwickelt, dann versemmelt, und schließlich räumen andere damit ab, nämlich die Chinesen.

Wir lieben Danuvius guggenmosi trotzdem. Nicht zuletzt wegen seines Namens. Der ehrt nämlich den Hobbyarchäologen Sigulf Guggenmos, der aus reiner Leidenschaft für die Wissenschaft bedeutende Entdeckungen getätigt hat. Er steht damit symbolisch für all die Amateurwissenschaftler, die bis heute von der Tierhaltung bis in die Paläontologie von unschätzbarem Wert für Forschung und Naturschutz sind.

Ohne finanzielle Interessen, einfach aus Überzeugung: im aufrechten Gang, so misstrauisch sie mitunter auch beäugt werden.

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Heiko Werning ist Reptilienforscher aus Berufung, Froschbeschützer aus Notwendigkeit, Schriftsteller aus Gründen und Liedermacher aus Leidenschaft. Er studierte Technischen Umweltschutz und Geographie an der TU Berlin. Er tritt sonntags bei der Berliner „Reformbühne Heim & Welt“ und donnerstags bei den Weddinger „Brauseboys“ auf und schreibt regelmäßig für Taz und Titanic. Letzte Buchveröffentlichung: „Vom Wedding verweht“ (Edition Tiamat).

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