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Märchenhafte Zahl

Jubiläum: Kentrup und Partner spielen „Grimm“ in HB

Ein grimmiges „Nein!“ auf die Frage, ob er mittlerweile wieder rede, mit denen vom Leibnizplatz; ein kurzer switch in die Leib- und Magenrolle, den Shylock, damit ja kein Zweifel aufkomme, dass er der einzig wahre Nachfahre Shakespeares ist: Norbert Kentrup, Bremer Theaterlegende, Mitbegründer der Company, von ihr im Streit geschieden, ist wieder in der Stadt.

Der Anlass: Shakespeare und Partner spielt im Schauspielhaus „Die Brüder Grimm“, Dagmar Papulas Stück über das unbekannte Leben der weltbekannten Märchenerzähler. Die Autorin und Schauspielerin muss sich im Gespräch immer wieder bemerkbar machen: Kentrup lebt sich als Schauspiellegende. Seine Präsenz verdient das Prädikat überwältigend.

Die hundertste Aufführung sei das, erzählt Papula – eine traumhafte Zahl für ein Ensemble ohne feste Bühne. Generalintendant Klaus Pierwoß, nein, Kentrup sagt einfach nur: „der Pierwoß“ habe ihnen „das versprochen, dass wir die hier machen“. Bewegend sei es, ergänzt Papula, wie ihre Dramatisierung der doch ausgesprochen deutschen Doppelbiografie auch im Ausland angenommen werde. In Estland etwa, „wo du damit mitten hinein gerätst in ein Spannungfeld zwischen aktueller Politik und historischer Debatte“. Und gerade in Japan habe man immer wieder klar machen müssen, „dass die Grimms selbst keine Märchenfiguren sind und es die Stadt Bremen wirklich gibt“.

Die Jubiläums-Aufführung an der alten Wirkungsstätte, wenn auch rechts der Weser, sei ihnen „sehr wichtig“ gewesen. „Wir sind ja nun von Beruf Weltreisende.“ Da merke man zugleich, was Heimat bedeute. Das sei Bremen, „nach wie vor“. Kaum weniger als der Stolz über die neuen Erfolge schwingt noch der Trennungsschmerz von vor zwei Jahren mit. Dagmar Papula wird den Trennungsschmerz nun verarbeiten. Sie schreibe an einem Roman, berichtet sie. Sein Sujet: Die Zeit mit der Shakespeare Company.

Benno Schirrmeister

Freitag, 20 Uhr, Schauspielhaus

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