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Kolumne FrauenMommy cool - eine besondere Spezies

Alle meine Freunde finden meine Mutter super. Ich natürlich auch. Nur manchmal nervt sie kolossal.

Dominik Schottner

David Denk, 27, arbeitet und schreibt in den taz-Ressorts tazzwei und Medien

Beginnen wir mit meiner Mutter. Da fing ja schließlich alles an.

Dieses Thema war nicht meine Idee, sondern die eines Kollegen, der meine Skepsis seinem Vorschlag gegenüber mit den Worten: "Aber du hast doch so ne coole Mutter" zu zerstreuen versuchte. Dabei kennt der Typ sie noch nicht mal! Also, ich würde mir niemals anmaßen, ihm seine Mutter als Thema für seine Kolumne vorzuschlagen. Sie heißt "Geschöpfe" - die Kolumne, die Mutter heißt Frank (mit Nachnamen).

Aber warum eigentlich nicht?! Dann schreibe ich halt über "die coole Mutter", eine vor allem im urbanen Raum immer häufiger anzutreffende Spezies. Meine Mutter wohnt in Berlin-Mitte - in einer Wohnung mit Dachterrasse, ohne Schrankwand. Sie hat viele Bücher, von denen sie die meisten sogar gelesen hat, und keinen Putzfimmel - eher im Gegenteil. Alles ziemlich sympathisch, so sympathisch, dass es manchmal kolossal nervt. Ja ist es denn zu viel verlangt, ein bisschen mehr Angriffsfläche zu bieten?! Sind Mütter dazu nicht gesetzlich verpflichtet?

Meine Mutter geht stramm auf die 60 zu, wie man so sagt. Sie kauft zwar meines Wissens weder bei American Apparel ein noch bei irgendwelchen skandinavischen Jungdesignern, aber am vergangenen Wochenende hat sie sich gleich zwei Paar Schuhe gekauft, weil die im Moment so verdammt günstig seien, wie sie mir am Sonntag auf dem Weg ins Kino erzählt hat. Auch schon ein Paar für den Winter. Es ist Juli.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Meine Mutter und ich gehen zusammen ins Kino - allerdings nicht so häufig, wie wir essen gehen. Am Sonntag haben wir verrückten Hunde gleich beides gemacht. Zuerst waren wir Sushi essen in einem Lokal in Mitte, wo wir prompt Jürgen Vogel getroffen haben, der dort wohnt, und den Wirt meines Stammcafés, wo ich wohne. Ich habe den Wirt zuerst nicht erkannt, weil er seine Brille nicht aufhatte. Andersrum wäre es nicht ganz so peinlich gewesen. Über den Inhalt des Tischgesprächs zwischen meiner Mutter und mir muss ich leider aus Diskretionsgründen absolutes Stillschweigen bewahren.

Gerade kam übrigens der Wirt meines Stammcafés, diesmal mit Brille, an meinen Tisch und hat gefragt, ob das am Sonntag meine Mutter war. Kurz habe ich überlegt, ob ich verneinen und irgendwas von "lukrativem Nebenverdienst" faseln soll, habe mich dann aber dagegen entschieden. Den Witz habe ich schließlich schon meiner Mutter gegenüber gemacht, als sie mal wieder gefragt hat, was die Leute wohl denken, wenn sie uns beide zusammen sehen.

Stattdessen habe ich dem Wirt meines Stammcafés erzählt, was ich nun auch Ihnen erzählen werde: dass wir hinterher noch "So ist Paris" gesehen haben (Der Wirt hat lustigerweise zuerst "Soest-Paris" verstanden). Den Film kann ich nur empfehlen - wenn Sie mal wieder mit Ihrer Mutter ins Kino gehen wollen. Im Nachhinein bereue ich, dass ich mich nicht durchgesetzt habe. Ich wäre am liebsten in "Brügge sehen … und sterben?" gegangen. Denn eigentlich ist es egal, in welchen Film man mit meiner Mutter geht. Sie schläft immer ein. Immer. Mit offenem Mund.

So, das war die kleine Rache für die Mail an eine Freundin von mir, mit der meine Mutter sich auch ganz toll versteht. Alle meine Freunde finden meine Mutter super. Grundsätzlich stimme ich ihnen da ja zu, allerdings nervt sie mich natürlich hin und wieder, und wenn ich mich dann beschwere, bekomme ich meistens zu hören: "Aber du hast doch so ne coole Mutter." Deswegen gelobe ich hiermit feierlich, dem/der Ersten, der/die ich treffe, der/die meine Mutter nicht mag, einen Schrein zu errichten. Freunde werden können wir allerdings leider nicht.

Ach so, die Mail. Ich zitiere: "Wenigstens eine/r, der/die sein/ihr Examen in Angriff nimmt. Ernstes Gespräch mit David ergab gestern, dass er sich zwar für Theaterwissenschaften angemeldet hatte, sich aber wieder abgemeldet hat, weil er die Termine nicht auf die Reihe bekommen hat." Mal abgesehen davon, dass sie das "ernste Gespräch" wohl mit sich selbst geführt hat und es "Theaterwissenschaft" heißt, muss man sich mal vorstellen, was das für ein blödes Gefühl ist: Meine Mutter beschwert sich bei meinen Freunden über mich! Was fällt der ein? Da ist es doch nur recht und billig, wenn ich mich bei Ihnen über meine Mutter beschwere, oder?

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2 Kommentare

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  • M
    marwood

    yep, das war n bisschen low...

    nur soest-paris fand ich nett, hab aber

    den verdacht, das war erfunden. der alltag gibt sowas selten her.

    ich hab gestern einen mann auf der straße was

    von 14 atomkraftwerken sagen hören.

    da es sächsisch war, klang "14" aber wie ein anderes wort.

  • MB
    markus b.

    gähn. bitte, wen interessiert diese privatgefasel? peinlich