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Die WocheWie geht es uns, Herr Küppersbusch?

2011 waren eine Laberwurst, ein Arsch und ein lumpenreiner Demokrat unterwegs. Ein Jahresrückblick.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in diesem Jahr?

Friedrich Küppersbusch: Das war Nachrichtenbulimie! Die Breaking-News-Kammer ist leergemampft und man hätte im Februar Jahresrückblicke senden können.

Was wird besser im nächsten?

Weltuntergang erst gegen Ende, im Dezember sind einfach auch die Werbeeinnahmen höher.

2011 wollte irgendwie jeder Revolution machen - die Menschen in der arabischen Welt demonstrierten gegen ihre Herrscher, die Occupierer der Wall Street gegen den Finanzkapitalismus. Gehört den Che Guevaras die Zukunft?

Nee, nach der spontanen Empörung kommt der lange Marsch durch die Instanzen.

taz
Im Interview: FRIEDRICH KÜPPERSBUSCH

ist Journalist und Fernsehproduzent. Jede Woche wird er von der taz zum Zustand der Welt befragt.

Im Februar musste unser aller Karl-Theodor zu Guttenberg zurücktreten wegen einer Doktorarbeit, die keine war. Er verschwand kurzzeitig und ist nun schon wieder EU-Berater. Warum wird man diesen Typen nicht los ?

Hat irgendjemand außerhalb der Medien Aufhebens um ihn gemacht? Das ist ein adliger Schill, der Ausbruch der Scripted Reality aus dem Fernsehen.

Nach dem Tod von Osama Bin Laden starrte alle Welt auf ein Foto aus dem Situation Room und fragte sich: Hatte die Clinton denn nun bloß Heuschnupfen oder tat ihr der Osama leid. Die alles entscheidende Frage?

Eine Hinrichtung ohne Verteidigung, Gericht, Urteil und Berufung nennt man gemeinhin Mord. Die "alles entscheidende Frage" wäre: War dies ein letztlich moralisch hinnehmbarer "Tyrannenmord"? Stattdessen starrt man auf die illustre "Wir warten aufs Christkind"-Runde. Das Bild gehört in eine Reihe mit denen des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses, und dazwischen liegt ein katastrophaler moralischer Abstieg der USA.

Berlusconi ist auch weg, Gaddafi tot, jetzt verabschiedete sich auch noch Kim Jong Il. Wer sorgt 2012 für Glamour und Grusel in der Politik?

Iraks Ahmadinedschad, Syriens Assad, dagegen die Interessen Israels, die grenzüberschreitenden Aktionen der Türkei, wacklige Nachfrühlingsregimes ringsum. Der lumpenreine Demokrat Putin, autoritäre Regimes in Ungarn, Weißrussland, Ukraine. Westen pleite, China Kracher. Können wir 2011 eine Verlängerung spielen und noch ein paar Sachen in Ordnung bringen?

In Deutschland gruselte man sich jüngst über das Häuschen unseres Bundespräsidenten. Gibt es denn nichts Wichtigeres als den Wulff und sein Haus?

Die durchtriebenste Parallelgesellschaft wohnt immer noch im Villenviertel. Ich freu mich auf das Musical "Der Bettelpräsident" mit Veronica als Ferres und Til Schweiger in allen anderen Rollen. Wir hatten jetzt die Versionen Roman "der über alles Soziale herzog", Johannes "wenn schon krank, dann wenigstens im Amt" Rau und Horst "beleidigte Laberwurst" Köhler. Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte, dass es schon ziemlich egal ist, wer da rumpräsidiert - et voilà. Selbst die SPD will jetzt Wulff halten, denn Jauch hat noch 2 Jahre Vertrag bei der ARD, deutlich mehr Immobilien und steht eher rechts von Wulff.

Griechenland, Spanien, Italien, ganz Europa steckt ja angeblich in der Krise. Laut einer Konsumklimastudie kaufen in Deutschland trotzdem alle wie verrückt. Warum macht die Krise so viel Spaß?

Na ja, wenn man den privaten Konsum des Bundespräsidenten rausrechnet, sieht die Statistik sicher nüchterner aus. Kurz gefasst: wir verkaufen denen unseren Krempel und geben vom Profit nix ab. Vermutlich eine Geheimstrategie der gelernten Kommunistin Merkel, zu beweisen, dass Marktwirtschaft auf die Dauer schiefgehen muss.

Ein bisschen was fürs Herz kam im Frühjahr von der Insel der unbeugsamen EU-Verweigerer: Was für eine Hochzeit - dieses Kleid, und dann der Po von Pippa! Kann die nicht einfach den Cameron beerben?

Ihre These "Wenn schon ein Arsch vorne stehen muss, dann wenigstens ein schöner!" müsste ich aus Sicht der genderpolitischen Arbeitsgruppe ablehnen. Zum Glück gehöre ich ihr nicht an.

Die Gurke des Jahres gewinnen jedenfalls die Ehec-Gurken aus Spanien. Aber dann waren es doch bloß Sprossen aus Bienenbüttel. Dahinter steckt doch auch die Maschsee-Mafia!

Ja, Niedersachsen ist Schurken-und-Gurken-Staat des Jahres. Leute, die keinen Dialekt haben, sind verdächtig, und im Ausland möchte man sich für "lower sexing" ja eh rund um die Uhr entschuldigen. Tauschen gegen Luxemburg!

Und was machen die Borussen?

Laut Biene-Maya-Kalender werden wir je Jahrzehnt ein- oder zweimal Meister. Dieses ist ein Zwei-Meister-Jahrzehnt.

Fragen: AKL

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6 Kommentare

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  • SR
    Sigrid Reh

    Danke an F.Küppersbusch und die taz für diese

    Kommentare.

     

    Gutes Neues und bitte nicht aufhören, diese Interviews würden fehlen!

  • L
    logikon

    Friedrich Küppersbusch, ein grossartiger Journalist, Ich bewundere ihn.

     

    Andreas Marcatos

    Thessalonike

  • A
    Alex

    "Tauschen gegen Luxemburg!" Bravo. Der erste vernünftige Vorschlag des Jahres.

     

    Die Sachsen schmarotzen seit 1995 jedes Jahr aus dem Länderfinanzausgleich. Die Nieder-Sachsen seit 1950!! Wie nieder-trächtig! Aber Versager aus solchen Ländern werden in Deutschland regelmäßig befördert: erst Schröder, jetzt Wulff. Die Gurken sind nicht länger zu entschuldigen.

     

    Juncker for President!

  • K
    Kram

    "Iraks Ahmadinedschad" muss wohl ein Typo sein (falls der Irak sich nicht mittlerweise dem Iran angeschlossen hat).

  • AH
    A. Hopfenschauer

    "man hätte im Februar Jahresrückblicke senden können", Guttenberg "der Ausbruch der Scripted Reality aus dem Fernsehen", "lumpenreine[r] Demokrat Putin" - da sind ihm ja mal wieder einige hübsche Formulierungen gelungen.

     

    Vielen Dank Herr K., alles Gute und weiter so!

  • R
    Rollmops

    Ihr Lieben, der Ahmadinedschad ist im Iran.