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heute in bremen„Die Aussichten sind nicht allzu rosig“

Deutsche und Polen diskutieren ihre konfliktbeladene politische Beziehung zueinander

taz: Die Diskussion steht unter dem Motto „Deutsche und Polen: Eine Konfliktbeziehung in der EU?“. Müsste da nicht ein Ausrufezeichen stehen?

Basil Kerski, Chefredakteur des „Deutsch-Polnischen Magazins Dialog“: Wir leben in einer ziemlich absurden Situation. Die große Mehrheit der Polen wünscht sich heute – zum ersten Mal in der Geschichte – Deutschland als strategischen Partner. Man sieht das gerade an den kommunalen und regionalen Partnerschaften. Für die staatlichen Beziehungen gilt aber das Ausrufezeichen.

Warum mutiert der eine für den anderen immer wieder zum Schreckgespenst?

Die Situation ist ziemlich verfahren. Die Kaczynskis und ihre Außenministerin haben für viele Schlagzeilen gesorgt und die deutsche Seite provoziert. Die kann sich zurücklehnen, erledigt aber nicht ihre Hausaufgaben.

Sind die Polen der Sündebock für die Krise der EU?

Die Kaczynski-Brüder stehen stellvertretend für eine andere Entwicklung in den neuen EU-Staaten. Die Osterweiterung hat zu einem Modernisierungsschub geführt. Aber die Gesellschaften sind verunsichert, weil sie zwischen dem wohlhabenden Westen und den ärmen Global Playern wie China oder Indien unter Druck stehen.

Was ändert sich mit den Neuwahlen?

Der Staatspräsident Lech Kaczynski bleibt in jedem Fall an der Macht. Entweder Premier Jaroslaw Kaczynski bekommt Auftrieb oder die Opposition gewinnt und drei Jahre harter Auseinandersetzungen stehen an. Die Aussichten sind nicht allzu rosig.

Fragen: Jan Zier

19 Uhr, Osterdeich 6

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