Arbeitskampf der Krankenhausbewegung: Keine Entlastung vom Streik
Der Streik der Klinikbeschäftigten läuft auf Hochtouren: Etwa jedes siebte Krankenhausbett von Charité und Vivantes wird bestreikt.
Der Streik der Beschäftigten der kommunalen Krankenhäuser Charité und Vivantes läuft auf Hochtouren: Seit letztem Donnerstag legen laut der Gewerkschaft Verdi täglich über 1.000 Mitarbeitende ihre Arbeit nieder, um für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege zu kämpfen. Insgesamt sollten am Dienstag laut Gewerkschaft über 1.200 der insgesamt 8.800 Betten der kommunalen Krankenhäuser gesperrt werden. Am Dienstag verkündete die Vivantes-Klinikleitung, in einzelnen Standorten hätten nur 25 Prozent aller geplanten Operationen stattfinden können.
Charité und Vivantes bleiben derweil auf auf ihrem Standpunkt, keine Verhandlungen führen zu wollen, solange die Streiks nicht eingestellt werden. Dabei haben die Klinikleitungen bereits Angebote für alle Berufsgruppen vorgelegt. Letzte Woche hatte Vivantes ein „deutschlandweit erstes Modellprojekt“ zur Entlastung der Pflegenden angekündigt, durch welches die Kapazitäten der Krankenhäuser künftig je nach vorhandenem Personal gedeckelt würden.
Verdi hatte dies als „interessanten Ansatz“ bezeichnet, aber kritisiert, dass es weiterhin keine Konsequenzen gebe, sollte die Klinikleitung die Personalbemessungen doch unterschreiten. Auch den Beschäftigten der Tochtergesellschaften von Vivantes, die eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) fordern, hatte der Klinikkonzern eine Offerte gemacht. Dessen „wesentlicher Bestandteil“ sei eine Angleichung der Bezahlung an das TVöD-Niveau, verkündete Vivantes am Montag – womit die zentrale Forderung der Beschäftigten erfüllt wäre.
Verdi begrüßte die Gesprächsbereitschaft, wies aber auch dieses Angebot als ungenügend zurück. So wäre die Angleichung erst für das Jahr 2028 geplant. Damit würden die Beschäftigten „sieben Jahre hingehalten“, sagte Susanne Feldkötter, stellvertretende Landesbezirksleiterin bei Verdi, am Freitag.
Streit über Notversorgung
Derweil ist auch ein Streit über die möglichen Folgen des unbefristeten Streiks entbrannt. Am Donnerstag warnten mehrere ärztliche Direktoren von Vivantes, der Streik könne Patient:innen gefährden. Auch die Vivantes-Klinikleitung hatte wiederholt ähnlich argumentiert. Derzeit stellt Verdi die Notversorgung einseitig sicher, nachdem die Verhandlungen über diese gescheitert waren.
Die Klinikbeschäftigten weisen derlei Anschuldigungen empört zurück. In einem Antwortschreiben auf den Appell der Vivantes-Ärzte heißt es: „Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Sorge nur im Streik vorgetragen wird“. Was das Wohl der Patient:innen tatsächlich gefährde, sei der Normalzustand, in dem auch Chefärzt:innen „die Bettenauslastung ausreizen“ würden. „Selbstverständlich“ würde während des Streiks die Notversorgung der Patient:innen sichergestellt.
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert