KOMMENTAR: Arbeiter und taz
■ Gegen Stallgeruch und Berührungsängste
Vorurteile und Berührungsängste pflegen in Kreisen der Arbeiterbewegung besonders zäh zu sein.
Vor etwa 10 Jahren wurde in Berlin die überregionale, vor zwei Jahren in Bremen die regionale taz gegründet: ein Zeitungsprojekt mit radikal-demokratischem Aufklärungsanspruch, unkonventionell und intelligent. Kritisch unterstützt von den aufstrebenden „neuen“, stieß die taz auf rigide Ablehnung der erstarrenden „alten“ Bewegungen. Grenzziehungen nach Schablonen von gestern, unter Berufung auf Sozialmilieus, die längst in Auflösung begriffen waren. Dies zeitigte Wirkungen. Denn die intendierte Gestalt der taz, Medium einer bewegungsübergreifenden, dialogischen politischen Öffentlichkeit zu sein, konnte sich nur bruchstückhaft entfalten.
Die Zeit ist nicht stehengeblieben. Heute hat Nachdenklichkeit Eingang in die alten wie die neuen sozialen Bewegungen gefunden: über Formen, Inhalte, Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Politik. Der rationale, um Verständigung bemühte Diskurs, die Grenzüberschreitung hat eine Chance.
Politische Öffentlichkeit braucht das Medium Zeitung. Eine Chance für die taz und die Arbeiterbewegung.
Hans-Georg Isenberg
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