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Anklage entschärft

■ Schalcks Waffenlieferant erhielt Millionen per Boten aus dem Osten

Berlin (dpa) – Der mutmaßliche Waffenlieferant des früheren DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski, Edgar Kutscheidt, wird sich wohl nicht mehr für die Lieferung von rund 2.000 Schußwaffen westlicher Hersteller verantworten müssen. Zu Prozeßbeginn beantragte gestern die Staatsanwaltschaft vor dem Berliner Landgericht, das Verfahren gegen den 47jährigen Geschäftsmann nach neuester Rechtsprechung wegen Verjährung einzustellen. Zu Auswirkungen auf die Beschuldigungen gegen Schalck machte der Anklagevertreter keine Angaben.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist der Hauptvorwurf aber nicht vom Tisch. Sie wirft dem früheren Waffenhändler ferner vor, im Auftrag von Schalck Ende der 80er Jahre 246 militärische Nachtsichtgeräte geliefert zu haben. Militärisches Gerät dieses Standards hätte die DDR laut Anklage im sozialistschen Ausland nicht erwerben können. Das Geld – für Schußwaffen und Nachtsichtgeräte zusammen zwölf Millionen Mark – soll Schalck per Boten bar nach Westberlin geschickt haben. Der Waffenhändler soll schließlich Gelder in Millionenhöhe nicht versteuert haben.

Zu den Vorwürfen will sich der Angeklagte am Freitag äußern. Gestern schilderte der Büchsenmacher seinen schillernden Lebenslauf. Sogar für die russische Regierung war der Geschäftsmann nach seiner Aussage als Berater tätig. Auf Staatskosten habe er 1990 im Kreml die Waffensammlung hoher sowjetischer Führer begutachtet. In den 70er Jahren habe er ein Jagdgewehr an Prinz Charles geliefert. Zu seinem Bekanntenkreis rechnete der Angeklagte zahlreiche Diplomaten. Es sei eben viel gejagt worden in Ost und West, sagte der Büchsenmacher. Wann ein Prozeß gegen Schalck- Golodkowski geführt wird, kann die Staatsanwaltschaft zur Zeit nicht sagen. Das Verfahren gegen den Waffenhändler wurde vorgezogen, weil dieser seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt.

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