Analyse des alternativen Verkehrsclubs: Radfahrer leben wild und gefährlich
Die Zahl der Radunfälle sinkt in vielen Städten. Aber das Radler-Unfallrisiko ist hoch. Und in zahlreichen Fällen sind die Radfahrer auch selbst Schuld.
BERLIN taz | Radfahrer leben gefährlicher als andere Verkehrsteilnehmer - aber manche sind auch selber schuld. Zu diesem Ergebnis kommt nicht nur eine Analyse des alternativen Verkehrsclubs Deutschland (VCD), die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde - auch subjektive Beobachtungen stützen das: Fahre ich Rad, werde ich häufig von eng vorbeifahrenden Autos und abbiegenden Lastern bedrängt; fahre ich Auto, fallen mir rabaukenhafte Radler ins Auge.
Neulich, an einem lauen Abend in Berlin, zählte ich nach: Während einer zehnminütigen Autofahrt vom Oranienplatz in Kreuzberg zum Frankfurter Tor in Friedrichshain begegneten mir 43 Fahrradfahrer, von denen 29 kein Licht hatten; einer fuhr, von der Seite kommend, bei Rot über die Ampel, so dass ich bremsen musste.
Insgesamt zieht der VCD in puncto Radsicherheit aber ein positives Fazit. Obwohl der Radverkehrsanteil in den meisten Städten steigt, nahm die Zahl der verunglückten Radfahrer im Durchschnitt ab. In seinem "Städtecheck 2011" hat der Verkehrsclub die Entwicklung der Radfahrunfälle in 43 deutschen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern im Zeitraum von 2005 bis 2010 untersucht.
Ergebnis: Im Durchschnitt sank die Zahl der verunglückten Radler im Fünfjahresmittel um 2,5 Prozent. Dennoch verunglückten Radler im Schnitt 2,3-mal so häufig, wie es ihrem Anteil am Verkehrsaufkommen entsprochen hätte. Im Jahr 2009 starben 462 Radler bei Verkehrsunfällen.
Die Ursachen für Radunfälle sind vielfältig, häufig sind Auto- oder Lkw-Fahrer schuld. Je nach Stadt werden aber auch 40 bis 50 Prozent der Radunfälle von den Radlern selbst verursacht; darin sind die Alleinunfälle enthalten, wenn also ein Radler einfach stürzt oder gegen einen Baum fährt.
Bei den Radunfällen, die von Autofahrern verursacht werden, waren die Hauptursachen Fehler beim Abbiegen, Vorfahrtsfehler und zu schnelles Fahren. Bei den Radunfällen, die von Radlern verursacht wurden, war die Hauptursache die falsche Fahrbahnbenutzung, gefolgt von Abbiege- und Vorfahrtfehlern sowie Fahren unter Alkoholeinfluss. Auch die Missachtung von roten Ampeln und Fehlverhalten gegenüber Fußgängern spielen eine Rolle.
Für VCD-Expertin Anja Hänel muss das Ganze aber relativiert werden. Die falsche Fahrbahnbenutzung resultiere oft daraus, dass parkende Autos auf Radwegen stehen oder Radrouten zu umständlich seien. Fahrradrouten müssten daher vor Ort optimiert und häufiger kontrolliert werden, am besten von Polizisten auf Rädern. "Das steigert die Akzeptanz bei den Radfahrern."
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