Alumnus der Panter-Stiftung verschleppt : Angriff auf den Journalisten Kananelo Boloetse aus Lesotho
Am 5. September wurde Kananelo Boloetse, Chefredakteur der Zeitung Newsday, aus seiner Wohnung in Maseru, der Hauptstadt Lesothos, entführt.
taz panterstiftung | Seinen Angaben zufolge verbanden ihm drei bewaffnete Männer die Augen, fesselten ihn mit Kabelbindern und knebelten ihn mit Klebeband. Sie brachten Boloetse an einen abgelegenen Ort in der Nähe des Phuthiatsana-Flusses. Dort folterten sie ihn.
Der 37-jährige Journalist und Medienaktivist Boloetse war bis März 2026 Vorsitzender des Media Institute of Southern Africa.
Die Entführer stellten Boloetse Fragen zu seiner Arbeit als Journalist und seinen Aktivitäten bei der zivilgesellschaftlichen Organisation „Section 2“, die er mitbegründet hatte. Seine Entführer drohten ihm, zurückzukommen und ihn zu töten, sollte er öffentlich über den Vorfall sprechen. Dann ließen sie ihn mit schweren Verletzungen am ganzen Körper auf des Sandsteinplateau Thaba Bosiu, etwa eine Stunde nordwestlich von Maseru zurück.
Boloetse wurde 2021 im Zuge von Antikorruptionsprotesten in Lesotho verhaftet. In den folgenden Jahren arbeitete er vor allem zur Rechenschaftspflicht der öffentlichen Hand und zur Achtung der Rechtsstaatlichkeit. Er kritisierte Geschäftspraktiken von Banken und klagte 2022 mit Erfolg vor dem Verfassungsgericht von Lesotho dagegen, dass die Regierung den Ausnahmezustand ausrief, um eine Verfassungsreform unter Umgehung der normalen Verfahren durchzusetzen.
Unabhängige Untersuchung wird gefordert
In den Jahren 2023 und 2024 hatte Boloetse am 4. taz panter Afrika-Workshop teilgenommen. Für das dabei entstandene Magazin transcontinental 2 hatte er über den Kampf für eine Verfassungsreform in Lesotho berichtet, an dem er selbst beteiligt war.
Für die aktuelle transcontinental-Ausgabe des laufenden, 5. panter Afrika-Workshops hatte die Journalistin und Teilnehmerin Mabatho Libethe Boloetse als Experten dazu befragt, wie cyberkriminelle Akteure Betrugsversuche und Desinformation über Plattformen wie Facebook, Whatsapp und Tiktok in Lesotho verbreiten.
Boloetse erstattete wegen der Entführung am 7. September Anzeige. Die Polizei habe „ein spezielles Ermittlungsteam gebildet, das die Ermittlungen wegen der mutmaßlichen Entführung und Körperverletzung von Herrn Boloetse aufgenommen hat“, so der Polizeisprecher Thabo Mohai. Boloetse sagte der taz, er wünsche sich "von ganzem Herzen eine unabhängige und unparteiische Untersuchung meiner Entführung, meiner Folter und der gegen mich gerichteten Morddrohungen, das brauche ich dringend".
Lesothos Ministerin für Information und Kommunikation, Nthati Moorosi, besuchte am 7. September die Büros von Newsday, um ihre Unterstützung für die Mediengruppe zum Ausdruck zu bringen.
„Die Entführung und die Gewalt gegen Kananelo Boloetse stellen einen äußerst schwerwiegenden Angriff auf die Pressefreiheit in Lesotho dar", sagte Sadibou Marong, Direktor von Reporter ohne Grenzen (RSF) in Subsahara-Afrika. Amnesty International startete eine Petition. Auch das International Press Institute in Wien forderte von Lesothos Behörden, die Verantwortlichen für den Überfall zu identifizieren und vor Gericht zu stellen. Auch Kolleg:innen Boloetses starteten eine Petition um Druck auf Lesothos Behörden zu machen.