Althaus raus, Lieberknecht rein: Braut für die Zweckehe mit der SPD

Thüringerin, Theologin, geachtete Politikerin: Christine Lieberknecht könnte Ministerpräsidentin des Freistaates werden.

Wird sie die zweite Ministerpräsidentin in der Geschichte Deutschlands? Bild: dpa

Im Spätwinter, als nicht klar war, ob und wie Dieter Althaus nach seinem Skiunfall in die Politik zurückkehren würde, hätte sie nur den Kopf deutlicher herausstecken müssen. Da war Christine Lieberknecht schon einmal als Nachfolgerin im Ministerpräsidentenamt im Gespräch. Der Althaus-Klüngel unterband damals jede Diskussion. Auch am Wahlabend vergangenen Sonntag fiel ihr Name, wenn über eine mögliche Opferung Althaus als Preis für ein Weiterregieren mit der SPD spekuliert wurde. Althaus selbst hatte jede Frage nach dem Aufbau einer NachfolgerIn mit dem Hinweis auf seine jugendlichen 51 Jahre schroff zurückgewiesen.

Doch solche Handstreiche passen nicht zu Christine Lieberknecht. Die evangelische Pastorin kann eigentlich niemandem ernsthaft wehtun, so wie ihr niemand wehtun mag. Eine sympathische, verbindlich wirkende Erscheinung, die im Gegensatz zu Althaus über Integrationskraft verfügt und wohl deshalb seit 2004 vier Jahre lang die CDU-Landtagsfraktion mit ihrer knappen Mehrheit von einer Stimme führte. Ihre Loyalität zum Regierungschef hielt Lieberknecht, seit 2008 Sozialministerin, bis zum letzten Tag durch. "Wenn die Roten wie ein Hühnerhaufen herumrennen und sich nicht einig sind, werden wir erst recht Geschlossenheit zeigen", sagte sie noch am Mittwoch.

Mag die 51-Jährige auch defensiv wirken, fehlt es ihr nicht an Mut und Entschiedenheit. Schon in der DDR CDU-Mitglied, gehörte sie im September 1989 zu den vier Urhebern des "Briefes aus Weimar", in dem eine Parteierneuerung und eine Abkehr von der SED gefordert wurden. Mit nur 32 Jahren stieg sie zur ersten Kultusministerin des neuen Thüringen auf und setzte sofort das DDR-übliche Zwölfjahresabitur durch. Unter Bernhard Vogel regelte sie in der Staatskanzlei die Bundes- und Europaangelegenheiten. Von 1999 bis 2004 stand sie dem Thüringer Landtag als Präsidentin vor.

Als CDU-Fraktionschefin gehörte sie zwar zum engeren Althaus-Zirkel, leistete sich aber gelegentlich wie bei der Lernmittelfreiheit oder der Polizeireform eigene Ansichten. Nun könnte die vom Kirchendienst beurlaubte Theologin plötzlich zum verführerischen Werbegeschenk an die SPD werden. Das Amt der "Landesmutter" trauen ihr auch viele jenseits der Union zu. Wem auch sonst angesichts des schmalen Angebots? Die hoch Gehandelte, wie es so ihre Art ist, schweigt erst einmal zu allen Spekulationen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de