piwik no script img

Alternatives Jugendzentrum PotseKein Potse-Punk im Rockhaus

Die Potse bleibt besetzt. Alternativräume hat das Jugendkollektiv aus Berlin-Schöneberg abgesagt. Nun droht die Räumung.

Gareth Joswig

Aus Berlin

Gareth Joswig

Das besetzte Jugendzentrum Potse in Schöneberg hat dem Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) eine Absage erteilt. Ein vom Bezirk angebotener Ersatzraum im Rockhaus Lichtenberg entspräche nicht den An­sprüchen des Jugendprojekts, heißt es in einer Mitteilung von Mittwoch. Die Potse ist seit Längerem auf der Suche nach Räumen, in denen Punkkonzerte und Jugendarbeit möglich sind. Dem vorgeschlagenen Ersatzraum fehlt es laut Potse an separaten Räumen, in denen man unter anderem einen ­Awarenessraum einrichten könne.

Die Jugendlichen halten seit über einem Jahr ihre Räume in der Potsdamer Straße 180 besetzt, nachdem der bezirkliche Mietvertrag endete. Das benachbarte Jugendprojekt Drugstore gab in der gleichen Situation seine Schlüssel mit Aussicht auf Ersatzräume ab und ist seither ohne Raum. Das Drugstore hatte sich bereits dafür ausgesprochen, vorübergehend den Konzertsaal im Rockhaus Lichtenberg zu beziehen.

In diesem Zusammenhang warfen die Jugendlichen von der Potse dem Jugendamt Erpressung vor. Demnach sollten auch dem Drugstore die Räumlichkeiten verwehrt werden, wenn die Potse nicht ihre besetzten Räume freigibt. Gleichzeitig forderte das Kollektiv den Bezirk Tempelhof-Schöneberg auf, die drohende Räumung auszusetzen. Man hoffe weiter auf Ersatzräume infolge von ­Prüfungen auf Landesebene und der Bezirksverordnetenversammlung.

Nachdem Stadtrat Schworck zuletzt den Alternativraum in Lichtenberg angeboten hatte, hatte er der Potse ein Ultimatum gestellt: Entweder das Jugendkollektiv nutze die Räume im Rockhaus, oder es werde geräumt – und dann gebe es auch künftig keine Ersatzräume.

Drugstore will Rockhaus nutzen

Der taz sagte Schworck am Mittwoch, dass die Absage der Potse keinerlei Auswirkungen auf das Drugstore habe. „Wir haben die Potse nicht erpresst und auch nicht das Drugstore da mit reingezogen“, sagte Schworck. Das Drugstore könne unabhängig von der Potse den Konzertsaal im Rockhaus nutzen. Das im Exil befindliche Drugstore bestätigte der taz, dass man den Raum nutzen wolle.

Das Räumungsverfahren läuft laut Schworck weiter. Auf lange Sicht plane der Bezirk, weil Räume für Jugendarbeit fehlen, ein Haus der Jugend. Dort werde die Potse allerdings nach einer Räumung eher nicht unterkommen, wie Schworck sagte: „Wenn sie jetzt geräumt werden müssen, wird es dem Bezirk schwerfallen, ein großzügiges Angebot zu machen.“

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • Achim Kniefel

    Hab noch mal im Netz gesurft. Immerhin 14 Erwähnungen hat das Wort bei Google. Leider keine, wo man erfährt, wie es da aussieht und was man da genau macht.



    Es wäre vielleicht wirklich mal gut, nicht ständig in allerlei Artikeln die ganze Insider-Wörter, die man gerade neu gelernt hat, reinzupacken - sondern im Interesse der LeserIn verständlich zu schreiben.

  • Achim Kniefel

    Aha,



    Awarenessraum?



    Wer weiß alles, was das ist?



    Ich nicht.