Alternative zum teuren Tanken: Litauen macht Bahnfahren billiger
Ostergeschenk der Regierung in Vilnius: Sie will die Bevölkerung kurzfristig entlasten – hofft aber auch, dass viele langfristig bei der Bahn bleiben.
Litauens Antwort auf hohe Spritpreise? 50 Prozent Rabatt – auf Bahntickets. Seit diesem Mittwoch und noch bis Ende Mai kosten Fahrkarten beim staatlichen Bahnunternehmen LTG Link nur die Hälfte. Das berichtet der Litauische Rundfunk LTR. Premierministerin Inga Ruginienė sagte demnach am Dienstag, die Menschen im Land sollten so eine deutlich günstigere Alternative zu teuren Tankfüllungen bekommen.
Zugleich sieht die litauische Regierung in der durch die Spannungen im Nahen Osten ausgelöste Treibstoffkrise offenbar eine gute Gelegenheit: Generell für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu werben, ist eine explizite Absicht der Maßnahme.
Verkehrsminister Juras Taminskas hob als eigentlichen Zweck aber hervor, denen zu helfen, die von hohen Spritpreisen am meisten betroffen seien. Er nannte laut dem Bericht vor allem junge Familien und Ältere.
Der große Ticketrabatt soll den Staat rund 1,5 Millionen Euro kosten. Dafür werde in den beiden Monaten mit zusätzlichen 200.000 Reisenden gerechnet, ein Anstieg auf dann insgesamt etwa 1,2 Millionen.
Regierung hofft auf Dauereffekt für die Verkehrswende
Und der erwünschte Effekt soll über die zwei Monate hinausgehen: Wie einst in Deutschland beim 9-Euro-Ticket hofft man nun auch in Litauen darauf, Bahnneulinge anzulocken. Sie sollen dadurch erst auf den Geschmack kommen und langfristig von der Straße auf die Schiene umsteigen.
Noch bis Ende Mai könnten solche Neulinge etwa die gut 100 Bahnkilometer von Vilnius nach Kaunas für fünf Euro ausprobieren. Oder für nochmal die Hälfte: Studierende und Ältere bekommen weiterhin zusätzliche Rabatte vom nun günstigeren Ausgangspreis.
Die litauische Bahnchefin Kristina Meidė geht von vollen Zügen auf beliebten Strecken vor allem an Schönwetter-Wochenenden aus. Die Bahn würde gegebenenfalls auch zusätzliche Waggons einsetzen, sagte Meidė laut LTR. Sicherer sei es, Tickets frühzeitig zu buchen.
Auch Litauen setzt in der aktuellen Lage aber nicht nur auf Alternativen zum Auto. Weitere Maßnahmen seien im Gespräch, bei denen es dann um die Reduzierung der Spritpreise gehe. Genannt werden etwa ein vorübergehendes Pausieren der Dieselabgabe oder Änderungen bei Biokraftstoff-Vorschriften.
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