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Als „ein Teil der europäischen Kultur unterging“

■ Italiens Neofaschistenchef Fini äußert sich beim Clinton-Besuch zum D-Day / Der US-Präsident tut, als sei er nur wegen des Jahrestages der Befreiung in Italien

Rom (taz) – Es war alles so schön arrangiert, als sei der Antrittsbesuch des US-Präsidenten in Italien ein Stück aus dem Seifenopersender von Regierungschef Silvio Berlusconi: Nach der malerischen Pressekonferenz im Hof des Regierungssitzes im Palazzo Chigi am Abend noch ein Stelldichein mit 120 handverlesenen Gästen, und alle lächelten zufrieden. Berlusconi lächelte sogar noch am Freitag, als er mit seinem Gast Bill Clinton zur Gedächtniszeremonie auf dem Soldatenfriedhof zu Anzio ging; doch da sah es eher aus, als hätte jemand vergessen, das Grinsen abzustellen.

Dann platzte Neofaschistenführer Gianfranco Fini mit einer Erklärung zum D-Day in die feierliche Stimmung. Im einem Interview mit der Zeitung La Stampa erklärte Fini, dessen Partei fünf Minister in der italienischen Regierung stellt, die Landung alliierter Truppen an den Stränden der Normandie und Süditaliens sei der Auftakt für die amerikanische Hegemonie in Europa gewesen – der Tag, „an dem auch ein Teil der europäischen Kultur untergegangen ist“. Zugleich wiederholte er seine Behauptung, der frühe Mussolini sei „überwiegend positiv zu bewerten“. Erst nach der Unterzeichnung der Rassengesetze von 1938 habe der italienische Faschismus negative Züge angenommen.

Beinahe gleichzeitig erinnerte Clinton auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Nettuno daran, daß die Amerikaner bei der Befreiung Italiens von italienischen Widerstandskämpfern unterstützt worden seien.

Die Presseleute der neuen italienischen Regierung versuchten unterdessen, dem ersten Staatsbesuch seit Amtsantritt der neuen Regierung etwas Positives abzugewinnen, doch sie fanden nichts. Im Gegenteil: Fast ärgerlich hatte Clinton seine Rede gleich mit der Klarstellung eingeleitet: „Ich bin hier, um den 50. Jahrestag der Befreiung Italiens zu begehen“ – Unterton: Ansonsten wäre ich gar nicht gekommen. Am Ende waren keinerlei große neue Joint-ventures zu vermelden, die einen Beitrag zu der im Wahlkampf versprochenen Million neuer Arbeitsplätze leisten könnten. Zur Forderung nach einem ständigen Sitz Italiens im UNO-Sicherheitsrat brummelte Clinton nur: „Darüber muß man halt mal sprechen.“

Das Wort „Faschismus“ nahm Clinton überhaupt nicht in den Mund. Statt dessen setzte er nach dem bereits bekannten „Wir werden euch nach euren Taten bewerten“ ein fast drohendes „Und über die Demokratie werden wir auch wachen!“ drauf.

Schlimmer hätte es für ein souveränes Land kaum kommen können. „Andreotti wäre das nicht passiert“, entfuhr es einem US-Reporter, der sich noch gut daran erinnern konnte, wie der alte Christdemokrat Präsident Reagan k. o. gehauen hatte. Der Amerikaner hatte die Freilassung der palästinensischen Entführer des Luxusliners Achille Lauro kritisiert. Andreotti entgegnete darauf: „Ich bin völlig Ihrer Meinung, Mister Reagan, daß dies eine rein italienische Angelegenheit ist.“ Werner Raith

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