: Alltägliche Gewalt
■ Seit 17 Jahren berät und hilft der „Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen“
„Sexuelle Gewalt ist in unserer Kultur alltäglich. Alle Frauen sind mehr oder weniger davon betroffen.“Das Infofaltblatt beschreibt die Grundlage, auf der die Arbeit des „Notrufs für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V.“fußt. Beratung am Telefon oder persönlich, für Betroffene oder Angehörige: Seit mittlerweile 17 Jahren sind die Notruf-Frauen Ansprechpartnerinnen für Mädchen und Frauen, für Institutionen und MultiplikatorInnen – eben für alle, die entweder direkt mit sexueller Gewalt konfrontiert sind oder sich allgemein darüber aufklären lassen wollen.
Egal, wie lange die Tat zurückliegt: Jede Frau, die vergewaltigt wurde, kann sich an die Telefonnummer 25 55 66 wenden. In einem ersten Gespräch wird abgeklärt, ob eine therapeutische Beratung aufgenommen wird. Dabei fassen die Mitarbeiterinnen des Notrufs den Begriff weit: Auch was juristisch nur unter „sexuelle Nötigung“fällt, wie etwa erzwungener Oralverkehr oder die Gewalttat in der Ehe, ist für sie eine Vergewaltigung – und Grund, tätig zu werden.
Nicht nur bei der individuellen Verarbeitung, auch zu Prozessen oder zur Polizei begleiten die Notruf-Frauen vergewaltigte Mädchen und Frauen. Der Spielraum dafür wird allerdings immer enger. Denn eine der bis dahin vier Stellen wurde dem Notruf im vergangenen Jahr gestrichen. Und ob die derzeit 320.000 Mark jährlich von der Justizbehörde auf Dauer weiter fließen, ist noch unklar.
Schon jetzt können nicht alle Frauen, die sich an den Notruf wenden, sofort einen Termin bekommen. Zudem müssen Bereiche wie Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildung vernachlässigt werden. Christine Albers, Psychologin beim Notruf, fürchtet, daß „das Thema Vergewaltigung aus der Sicht der Frauen verleugnet und die Schwere der Folgen weiterhin tabuisiert wird“.
Zur Zeit arbeiten neben ihr noch eine Pädagogin und eine Soziologin in der Anlaufstelle. Die Stellen, so Albers, müßten dringend aufgestockt werden. Denn „schon jetzt ist das Beratungsangebot für die Millionenstadt Hamburg dünn“. Selbst in kleineren Städten wie Lübeck oder Kiel stehen den Einrichtungen, die zu sexueller Gewalt arbeiten, mehr Beraterinnen zur Verfügung als in der Hansestadt.
Elke Spanner
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