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■ AlgerienOppositionsblatt soll ausgetrocknet werden

„Sie schieben immer wirtschaftliche Gründe vor, um eine Zeitung mundtot zu machen“. So beschwert sich der Herausgeber der algerischen Tageszeitung Demain l'Algérie, Amar Belhimer. Sein Blatt kann seit Donnerstag nicht mehr erscheinen. Der Grund: Die staatliche Drukkerei SIA weigert sich, die Zeitung zu produzieren. Die Schulden seien zu hoch, heißt es. Das Blatt steht mit 25 Millionen Dinar, rund 750.000 Mark, in der Kreide.

„Keine andere Zeitung hat so wenig Schulden“, relativiert Belhimer die Zahlen. Seinem Angebot, die Ausstände abzustottern, verweigerte sich die Monopoldruckerei. „Eine politische Maßnahme“, ist sich der Herausgeber sicher. Sein Blatt gehört zum Presseimperium von Mohamed Betchine, dem Berater von Ex-Präsident Liamine Zeroual. Der gab sein Amt nach den Wahlen im April ab.

Während des Wahlkampfs schrieb Demain l'Algérie immer wieder gegen den Kandidaten der Armee und des Staatsapparates, Abdelaziz Bouteflika, an. Besitzer Betchine gehört zur Minderheit in Armee und Regierung, die den siegreichen Bouteflika nicht unterstützte. Der General wäre selber gerne Präsident geworden, stolperte aber über einen Korruptionsskandal. Von vielen wurde die Pressekampagne, die die Vorgänge begleitete, als Machtkampf innerhalb der Armee gewertet.

Auch die Zeitungen, die Betchine stürzen halfen, mußten das fast einen Monat lang mit der Einstellung ihrer Produktion durch die Staatsdruckerei büßen.

Jetzt, so scheint es, sind Betchines Blätter dran. Zuerst soll die Druckerei die Auflage halbiert haben. Dann hätten staatliche Stellen den Vertrieb im Osten des Landes verhindert – dort ist die Hochburg von Betchine und seinen Anhängern innerhalb der früheren Einheitspartei FLN und deren Abspaltung, der RND.

Die Redaktion wird weiterarbeiten. Dem Blatt fehlt aber vorerst die Öffentlichkeit – denn es verfügt nicht mal über eine Internetseite. Reiner Wandler

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