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„Aktion Leben“ in Aktion

In Osthessen setzten die christdemokratischen AbtreibungsgegnerInnen eine Asylbewerberin psychisch und physisch unter Druck / Landtag soll die Verletzung der Menschenwürde debattieren  ■  Von Klaus-Peter Klingenschmitt

Frankfurt (taz) - Ein Stück aus dem christdemokratischen Tollhaus wurde dieser Tage im osthessischen Fulda uraufgeführt. MitgliederInnen der CDU-nahen „Aktion Leben“ ein Zusammenschluß fanatischer christdemokratischer AbtreibungsgegnerInnen - haben eine abtreibungswillige äthiopische Asylbewerberin tagelang terrorisiert und bis in die Klinik hinein verfolgt. Dabei hatte die 23jährige Äthiopierin bereits vor Wochen einen Konflikt mit dem Fuldaer Sozialamt durchstehen müssen, das ihr die Indikationsbescheinigung für die Abtreibung entzogen hatte und die Erstattung der Kosten für den Abbruch verweigerte (die taz berichtete). Erst durch eine eindeutige Stellungnahme von Sozialminister Trageser (CDU) konnte das zuständige christdemokratische Landratsamt in Fulda zu einer Anweisung an das Sozialamt veranlaßt werden. Das Sozialamt mußte die Kosten für den Schwangerschaftsabbruch übernehmen.

Diese Entscheidung wiederum brachte die MitgliederInnen der „Aktion Leben“ in Harnisch. Sie rückten der Asylbewerberin auf den Leib, um die Frau von ihrer „schändlichen Tötungsabsicht“ abzubringen. Als die Äthiopierin, die bereits zwei Kinder hat, zum operativen Eingriff in das Kreiskrankenhaus von Schlüchtern eingeliefert wurde, erschienen drei Mitglieder der „Aktion Leben“ in Begleitung eines Pfarrers im Krankenzimmer der Äthiopierin. Sie zeigten ihr Plakate und Bilder von zerstückelten Embryos und bezeichneten sie als „Mörderin“. Beim Verlassen der Klinik wurde ein Ärztewagen mit einem „Mörderplakat“ beklebt.

Noch massiver traten die MitgliederInnen der „Aktion Leben“ am Tag der Operation im Krankenhaus auf. Nach Informationen der Grünen im hessischen Landtag hätten drei Frauen der „Aktion Leben“ versucht, die bereits für die Operation vorbereitete Frau aus dem Krankenbett zu zerren - angeblich „um ihre Seele zu retten“, wie Frau Dr.Karin Hermes aus Hünfeld, Mitglied der „Aktion Leben“, gegenüber der Presse freimütig erklärte.

Die Grünen im hessischen Landtag haben jetzt einen Dringlichkeitsantrag vorgelegt, mit dem das „Wiederaufleben von Hetzkampagnen“ gegen abbruchswillige Frauen in Zukunft verhindert werden soll. Der Landtag soll die Aktion der AbtreibungsgegnerInnen verurteilen und die Verletzung der Menschenwürde der Asylbewerberin feststellen. Der Landrat des Kreises Hanau prüft derzeit, ob wegen der Aktionen rechtliche Schritte eingeleitet werden können.

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