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Ahmed al-ScharaaDer Gentleman-Dschihadist

Jürgen Gottschlich

Kommentar von

Jürgen Gottschlich

Der syrische Interimspräsident al-Scharaa startete als Hoffnungsträger. Die jüngsten Kämpfe seiner Truppen gegen die Kurden sind hingegen alarmierend.

Der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa am 8. Dezember 2025 in Damaskus, Syrien Foto: Khalil Ashawi/reuters

W enn man Ahmed al-Scharaa zuhört, kann man nur zustimmend mit dem Kopf nicken. Ein einiges Syrien, Rechtsstaat und kulturelle und religiöse Rechte für alle. Was für eine Wohltat, aus Damaskus solche Töne zu hören. Und was für ein erstaunlicher Wandel. Vom IS-Terroristen über den Al-Qaida-Führer hin zum autoritären Chef der lokalen Islamistentruppe HTS und plötzlich der weltgewandte Präsident Syriens, der verspricht, das Land nach der jahrzehntelangen Assad-Diktatur wieder zu einem geachteten Mitglied der Staatengemeinschaft zu machen.

Was für ein Hoffnungsträger. Dass dann entgegen aller Versprechen seine Dschihadisten-Freunde doch blutige Rache an der alawitischen Minderheit nehmen, wurde von ihm im Nachhinein verurteilt. Wahrscheinlich war es gegen seinen Willen geschehen. Als dann seine Truppen über die Drusen herfielen, waren sich viele noch sicher, dass dieser Konflikt von den Drusen selbst provoziert und von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu im Hintergrund dirigiert wurde.

Die jetzige militärische Eskalation gegen die Kurden kann aber kein Zufall mehr sein. Ausgangspunkt des Feldzuges gegen die Kurden war Aleppo. In zwei Stadtteilen gab es in der zweitgrößten syrischen Stadt noch eine kurdische Gemeinschaft. In Aleppo hätte al-Scharaa zeigen können, dass er es ernst meint mit dem friedlichen Zusammenleben. Das Gegenteil aber war der Fall, die Kurden hatten allen Grund, den Versprechungen des Gentleman-Dschihadisten aus Damaskus zu misstrauen.

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Es gab keine praktischen Schritte auf dem Weg zur Integration, sondern als die USA signalisierten, sie würden die Kurden nicht mehr länger schützen, ließ al-Scharaa seine neue Armee, die zu großen Teilen aus den alten Dschihadisten besteht, von der Leine. US-Präsident Donald Trump setzt auf den Chef in Damaskus. Dass für die Menschen in Syrien die kurze Phase des freiheitlichen Chaos wieder zu Ende geht und sie in einem autoritären islamistisch-sunnitisch Zentralstaat landen werden, wird ihn kaum noch interessieren.

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Jürgen Gottschlich
Auslandskorrespondent Türkei
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