AfD will Theaterstück verhindern

Scharf auf Verbote

Die AfD versucht erneut, ein Theaterstück zu verhindern. Mit „Illegale Helfer“ feiere das Potsdamer Hans Otto Theater „Gesetzesbrecher“.

zwei Frauen und ein Mann stehen Rücken an Rücken aneinander, ein Absperrband ist um ihre Körper gewickelt

Sollte laut AfD nicht aufgeführt werden: Szene aus „Illegale Helfer“ Foto: Promo/HL Böhme

BERLIN taz | In Berlin hat die AfD einen juristischen Streit mit der Schaubühne Anfang des Jahres verloren. Unter anderen wollte Beatrix von Storch erwirken, dass ihr Bild nicht in der Inszenierung „Fear“ von Falk Richter gezeigt werden kann. Das Stück, das sich mit der Sprache, der Rhetorik und dem Weltbild der AfD auseinandersetzt, benennt auch die Akteure der rechten Politik. Die Versuche, auf gerichtlichem Weg eine Zensur zu erlangen, sind gescheitert.

Jetzt wendet sich die AfD-Fraktion im Stadtrat der Stadt Potsdam gegen eine Inszenierung, die am 9. Juni in Potsdam Premiere haben wird: „Illegale Helfer“ von Maxi Obexer. In einer Pressemitteilung fordern sie unter der Überschrift „Hans Otto Theater feiert Gesetzesbrecher“ das Hans Otto Theater auf, „sein Programm noch einmal zu überdenken“.

Vor einem Jahr veröffentlichte die taz einen Ausschnitt aus dem Stück, das zehn Personen sprechen lässt, die beschlossen haben, Geflüchteten und Abgeschobenen zu helfen, ihnen Verstecke anzubieten und sie zu beraten, auch wenn sie selbst dadurch gegen Gesetze verstoßen. Die Autorin hat vier Jahre lang in der Schweiz, Österreich und Deutschland dafür recherchiert und damit literarisch eine Arbeit fortgesetzt, die sie schon über zehn Jahre lang beschäftigt.

Damals schrieb sie ein Stück über die Insel Lampedusa, „Das Geisterschiff“, das auch als Hörspiel vom WDR produziert wurde. Das Thema der Geflüchteten und die Hürden, die ihrer Ankunft in den Weg gelegt werden, hat die Autorin seitdem nicht mehr losgelassen, sie hat es in einem Roman, „Wenn gefährliche Hunde lachen“, in Recherchen und als Lehrende weiterverfolgt.

„Es geht um den Raum des persönlichen Gewissens“

Für ihr Stück „Illegale Helfer“ erhielt sie den Eurodrampreis 2016. Es wurde als WDR-Hörspielproduktion von vielen ARD-Stationen gesendet. Grade weil hier Personen zu Wort kommen, die sich in einer Zone bewegen, die oft auch nur durch das Schweigen funktioniert, öffnet der Text einen wichtigen Blick auf eine sonst verdeckte Wirklichkeit. Denn es provoziert Fragen danach, warum denn illegal ist, was diese Helfer tun, und stößt damit einen wichtigen Diskurs an.

Das Hans Otto Theater in Potsdam ist die erste Bühne, die das Stück in Deutschland zeigt. Der Intendant des Theaters, Tobias Wellemeyer, hält denn auch an der Inszenierung fest. „Maxi Obexer legt den Fokus auf die innere moralische Entscheidung jedes Einzelnen – wann ist der Punkt da, wo ich überzeugt bin, helfen zu müssen“, sagt er über „Illegale Helfer“. „Jenseits der Debatte über Gesetze, die die Politik führt und führen muss, geht es hier um den Raum des persönlichen Gewissens. Theater ist geradezu verpflichtet, diese dramatische und moralische Debatte zu führen. Sie ist quasi die Grundidee des öffentlichen Theaters – Drama und Demokratie sind historisch zur selben Zeit entstanden: Die Debatte der persönlichen Gewissensentscheidung im Drama, im Theater ist eine zentrale Errungenschaft der europäischen Kulturgeschichte.“

Dass sie auf Verbote und Zensur aus sind, lässt die AfD nun immer deutlicher sehen, zuletzt durch den gescheiterten Antrag, den Auftritt der Hamburger Punkband Slime beim Hafengeburtstag zu verhindern.

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