AfD nach der Wahl in NRW

Der überzeugte Provokateur

Marcus Pretzell wird wohl die AfD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag führen. Ob das seinen Einfluss in der Bundespartei rettet, ist unsicher.

Pretzell lächelnd

Marcus Pretzell: umstritten, aber doch erfolgreich Foto: dpa

Für Marcus Pretzell geht es ums Ganze. Der 43-Jährige wird die AfD mit 7,4 Prozent in den Düsseldorfer Landtag führen. Das bleibt weit hinter den selbst gesteckten Zielen zurück, wird ihm aber wohl dennoch den dringend notwendigen Frak­tions­vorsitz bringen. Dieser stützt seinen Einfluss in der Partei, der gerade schwindet. Pretzell hat sein Schicksal eng mit Frauke Petry verknüpft, seit Dezember sind die beiden verheiratet. Petry ist als Parteichefin mehr als angeschlagen, da schwächelt auch Pretzell.

Der Fraktionsvorsitz garantiert ihm aber auch ein gutes Auskommen. Eine Zulassung als Rechtsanwalt hat der Jurist nicht mehr, sein Mandat im Europaparlament läuft 2019 aus. Offenbarungseide aus dem Jahr 2014/15 zeigen, wie angespannt seine finanzielle Lage zu Beginn seiner politischen Karriere war.

In der AfD ist Pretzell so umstritten wie kaum ein anderer Spitzenpolitiker. Vertraute halten den jungenhaften Typ mit der schmalen Brille für ein politisches Talent, hochintelligent und rhetorisch geschickt. Gegner beschreiben ihn als Spielernatur und sprechen ihm die charakterliche Eignung für einen Spitzenjob in der Partei ab. Besonders derb hat jüngst der ehemalige Focus-Redakteur Michael Klonovsky zugelangt, der bis vor Kurzem Petry beriet: „Pretzell ist eine Hochstaplerfigur, ein unseriöser Mensch mit krankhaftem Drang zur In­trige und zum Schüren von Konflikten.“

Mit gerade mal 54 Prozent wurde Pretzell zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gewählt. Vertraute sollen mithilfe einer Chatgruppe dafür gesorgt haben, dass es vor allem Mitglieder aus dem Pretzell-Lager auf die vorderen Plätze der Landesliste schafften. Sein Versuch, Kolandeschef Martin Renner aus dem Vorstand schmeißen zu lassen, scheiterte, heute steht Renner auf Platz eins der Landesliste für die Bundestagswahl.

Pretzell, der als Machtpolitiker und inhaltlich flexibel gilt, hat die AfD für die europäischen Rechtspopulisten geöffnet. Inzwischen sitzt er im EU-Par­lament in einer Fraktion mit dem rechtsextremen Front National. Pretzell ist in NRW geboren und in Wiesbaden aufgewachsen. In Heidelberg hat er Jura studiert. Vor seiner AfD-Kar­riere arbeitete er als Anwalt für Immobilienrecht und war in der FDP. Aus einer ersten Ehe hat Pretzell vier Kinder, bald wird er zum fünften Mal Vater.

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