Ägyptische Regierung unter Druck: "Tod für Israel und Amerika"

Nach dem Freitagsgebet demonstrieren Tausende gegen die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen. Ägyptens Polizei unterdrückt den Protest.

Protestaktion gege israelische Bomber in Kairo. Bild: dpa

KAIRO taz Es waren die ersten Freitagsgebete seit Beginn des Gaza-Kriegs. Ein Politbarometer für die Stimmung in der arabischen und islamischen Welt. Die Demonstranten im Inneren der Moschee der islamischen Al-Azhar-Universität in Kairo ließen nach dem Gebet wenig Zweifel daran, was sie von ihrer Regierung erwarten. "Wo ist das ägyptische Militär, wo ist Mubarak der Feigling?", riefen sie. Der Ärger gegen Israel und den Krieg in Gaza, wendet sich inzwischen gegen das eigene Regime, wenngleich nur innerhalb der Mauern der Moscheen und Universitäten.

Der Regierung Hosni Mubarak ließ ebenfalls wenig Zweifel daran, dass sie nicht daran denkt, sich in die Ecke drängen zu lassen. Als die Demonstranten zum großen Tor versuchen, auf die Straße stürmen, geht dieses plötzlich auf, und Bereitschaftspolizei in Uniform und in Zivil knüppelt mitten im Gebetssaal die Demonstranten nieder. Einige der Demonstranten ziehen ihre Schuhe aus und schlagen damit auf die Polizisten ein.

Andere Moscheen wie die Al-Fath-Moschee im Zentrum der Stadt, eine Hochburg der islamistischen Muslimbruderschaft, standen unter einem regelrechten Belagerungszustand, umringt vom Schwarz der Uniformen der ägyptischen Polizei. Nur nichts anbrennen lassen, lautet die Devise der moderaten arabischen Regierung. Dennoch riefen vereinzelte Prediger über Mikrofon in den vornehmen Vororten der Stadt zum "heiligen Krieg in Gaza auf".

Auch in der dem Gazastreifen nächstgelegenen ägyptischen Stadt El-Arisch demonstrierten 3.000 Menschen, während direkt am Grenzstreifen ein Dutzend Beduinen durch die Straßen des ägyptischen Teils von Rafah fuhren und in die Luft schossen.

Auch die jordanische Führung versucht den Deckel daraufzuhalten. In Amman drängte die Polizei mit Tränengas und Schlagstöcken Demonstranten von der israelischen Botschaft ab.

Ganz anders die Szene in Teheran, diesmal von den Behörden offiziell abgesegnet. Nach dem zentralen Freitagsgebet zogen die Demonstranten zum "Palästina-Platz" mit dem üblichen "Tod für Israel und Amerika", mit entsprechendem Fahnenverbrennungszeremoniell. Ajatollah Akbar Haschemi Rafsandschani hatte während seiner Predigt erklärt, selbst wenn die Hamas-Regierung zusammenbreche, würde sich der "Widerstand der Palästinenser nur ausweiten". In Damaskus und Khartum kam es ebenfalls zu offiziell abgesegneten Protestdemonstrationen.

Die palästinensischen Proteste außerhalb des Gazastreifens blieben verhalten. Im Gazastreifen hatte die regierende Hamas zu Protesten unter dem Motto "Tag des Zorns" aufgerufen, nachdem am Donnerstag einer ihrer Anführer, Nisar Radschan, bei einem israelischen Angriff ums Leben gekommen war. Den Palästinensern stünden alle Optionen für einen Gegenangriff offen, auch Selbstmordattentate, sagte Hamas-Sprecher Ismail Radwan.

Mit "unsere Seele und unserem Blut für Gaza", skandierten palästinensische Demonstranten nach dem Gebet in Ramallah im Westjordanland und riefen ihre Kämpfer auf, in Tel Aviv zuzuschlagen. Als die Demonstration zu Hamas-freundlich verlief, wurde sie von der palästinensischen Polizei, loyal zu Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, aufgelöst. In der Al-Aksa-Moschee in Ostjerusalem war es relativ ruhig geblieben. Die israelische Polizei hatte allen Männern unter 50 den Eintritt zum Freitagsgebet verwehrt. Nur am Rande kam es zu kleineren Scharmützeln zwischen palästinensischen Jugendlichen und israelischer berittener Polizei.

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