press-schlag: Acht Ballkontakte
Glühwürmchen, Angreifer Erling Haaland und ein paar fußballerische Gedanken zur Nacht
Der vom Fast-noch-Vollmond beschienene Fjord glänzt gold-silbern in der Dunkelheit, die nun schon wieder jeden Tag ein paar Minuten früher beginnt. Im Gras am Ufer leuchtet ein Glühwürmchen grüngelblich vor sich hin, ein paar Meter weiter blinkt ein Rasenmähroboter in regelmäßigen Abständen rot auf. Ob Erling Haaland Heimweh nach norwegischer Idylle hat, ist nicht bekannt, fest steht nur, dass sein zweites Spiel für Manchester City zwar formal erfolgreich (4:0 gegen Bournemouth), insgesamt jedoch für ihn frustrierend verlief. Weil: nur! acht! Ballkontakte! In! 74! Minuten! Nun könnte man einwenden, dass es in der Geschichte des Fußballs weit ungünstigere Saisonstarts gegeben hat – der MSV Duisburg rangiert beispielsweise derzeit auf dem 10. Platz, was nun wirklich nicht schön ist –, aber auf den Sportseiten englischer und vor allem norwegischer Zeitungen geht es momentan nun einmal hauptsächlich um Haaland. Und damit auch um City, was rein optisch ein Gewinn ist, jedenfalls verglichen mit den Jahren, die der junge Mann bei der schwarz-gelben Borussia verbrachte.
Aber: nur acht Ballkontakte. Und entsprechend große Aufregung, obwohl die Anzahl der Berührungen mit dem Spielgerät nichts über die Erfolgsquote eines Spielers in einem Match aussagt – theoretisch ist es schließlich möglich, auch ohne einen einzigen Ballkontakt sehr interessante Dinge zu tun, wie einen oder vielleicht sogar mehrere Elfmeter zu schinden, den gegnerischen Starstürmer spielunfähig zu treten, in unbeobachteten Momenten mit der Hacke kleine Löcher auf dem Spielfeld auszuheben, einfach nur so, um zu gucken, was passiert. Praktisch ist Fußball natürlich ein fairer Sport, betrieben und angeguckt von fairen Menschen, denen so etwas nie in den Sinn kommen würde, wobei, im Grunde ist die Sache mit der Elferschinderei und dem Umtreten in Ordnung, wenn sie dem eigenen Verein nutzt.
Niemals in Ordnung, also wirklich nie-mals, sind dagegen acht Ballkontakte in 74 Minuten, Fußball ist schließlich Leistungssport, und deswegen hat man pausenlos am Leder zu sein, Elfmeter zu verursachen oder andere umzutreten. Oder in kleine, heimtückisch gegrabene Löcher zu fallen, und, zumindest in Haalands Fall, zu hoffen, dass sie nicht allzu tief sind respektive wenigstens nicht in Norwegen enden, sondern irgendwo, wo es an diesem Spielwochenende nicht um Ballkontakte, sondern um nicht gegebene Elfmeter geht, also in Berlin oder Gelsenkirchen. Andererseits sind Abstiegsgespenster auch kein guter Umgang. Elke Wittich
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