Analyse: Acer baut für Siemens
■ Preisdruck zwingt Siemens Nixdorf seine PC-Produktion zu verkaufen
Meine Kollegin besitzt, genau wie ich, ein altes Laptop. Beide Geräte sind äußerlich fast identisch, nur die Farbe nicht. Ihrer ist weiß und meiner ist grau – und der Name ist verschieden: Auf ihrem steht „Siemens Nixdorf“, auf meinem prangt „Acer“. Was bisher Ausnahme war, wird künftig zur Regel: Denn der taiwanesische Hersteller Acer wird ab Mitte des Jahres alle PCs und Laptops für den deutschen Marktführer Siemens Nixdorf (SNI) herstellen. Die beiden verkündeten gestern ihre strategische Partnerschaft.
Schon länger bezieht SNI Teile von Acer, und einmal war es auch schon eine ganze Geräteserie. Doch sonst versuchte der deutsche Computer- und Kassenspezialist Siemens Nixdorf aus eigener Kraft den PC-Markt zu erobern. Mit großen Erfolg. Praktisch aus dem Nichts brachte es die Firma in wenigen Jahren zum Marktführer in Deutschland, mit einem Anteil von knapp 5 Prozent europaweit. Insgesamt 1,4 Millionen PCs setzte Siemens Nixdorf in seinem Werk in Augsburg zusammen, 1996 waren es noch 1,1 Millionen. Doch trotz dieses Zuwachses erreichte SNI nach eigenen Angaben nicht den „kritischen Punkt“, ab dem sich die PC-Sparte auch dauerhaft trägt. Acer, der drittgrößte Hersteller der Welt, baut jährlich sechs Millionen Geräte – und kann so billiger einkaufen und produzieren für SNI als der Konzern selbst.
Denn die fetten Wachstumsraten der Pionierjahre haben sich auf einen weltweiten Schnitt von zehn Prozent beruhigt. Vor allem in den USA brach die Nachfrage ein. Der Preiskampf zieht nun Übernahmen nach sich. Bereits im Januar übernahm Branchenführer Compaq, der zehn Prozent vom Weltmarkt hält, den Konkurrenten Digital Equipment. Acer übernahm die Laptop-Sparte von Texas Instruments. IBM sah sich nach neuen Vertriebswegen um, etwa durch Kooperation mit Billigketten wie Vobis.
Nun also Acer und SNI. Der taiwanesische Hersteller wird die gesamte Fertigung und Forschung von SNI übernehmen, samt Werk in Augsburg. Von den 2.450 Mitarbeitern wolle Acer 2.000 übernehmen, sagt SNI. 300 blieben bei SNI, dem Rest würden neue Jobs im Siemens-Konzern angeboten. SNI behält Vertrieb, Vermarktung und die Produktplanung – nur, daß eben künftig unter dem Siemens-Nixdorf-Label immer ein Acer steckt. Acer und SNI können auch sonst voneinander profitieren: SNI vertreibt vor allem in Europa, hat Schwächen auf den Märkten in USA und Asien. Bei Acer ist es genau umgekehrt. SNI verkauft eher technisch hochgerüstete PCs, Acer eher Standardgeräte. Außerdem gewinnt SNI durch den Verkauf Luft für Investitionen.
Siemens will sich künftig auf die Verknüpfung von Telefon, Fernsehen, Internet und Computer stürzen. Matthias Urbach
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