piwik no script img

Abstammungsrecht und NeuwahlenEine Familie, die es rechtlich nicht gibt

Mit dem Ampel-Aus ist wohl auch die Reform des Familienrechts vom Tisch. An der Realität geht das häufig vorbei, wie bei Michi und seinen drei Eltern.

Nur Ronja (Mitte) ist rechtlich ein Elternteil von Michi, dabei erziehen sie ihren Sohn zu dritt Foto: Lena Maria Loose

Es war frühmorgens, als Ronja H. vom Bruch der Ampelkoalition erfuhr. H. hatte in der Küche das Radio aufgedreht, ihr Sohn Michi putzte sich im Bad die Zähne. „Ich hab erst mal einen Heulkrampf bekommen“, erzählt H. einige Wochen später am Telefon. Und dass sie sich schnell zu beruhigen versuchte, weil Michi* nichts von ihren Sorgen mitbekommen sollte.

Michi ist zwölf Jahre alt, möchte später mal Youtuber werden und hat drei Eltern: Ronja H., Tommy S. und Mia M. Sie wollen zum Schutz ihrer Privatsphäre nicht, dass ihre vollständigen Namen in der Zeitung stehen. Die Familie hatte sehnlichst auf die Reform des Abstammungsrechts gewartet. In ihrem Koalitionsvertrag hatte die Ampel abgekündigt, das Familienrecht zu modernisieren. Sie wollte der Stiefkindadoption für lesbische Paare ein Ende bereiten, die häufig langwierige Überprüfung durch Ämter sollte es nicht mehr geben.

Außerdem hätten die Ampel-Vorhaben den Alltag von Mehrelternfamilien verbessert: Die rechtlichen Eltern – weiterhin laut Gesetz maximal zwei – hätten bis zu zwei weiteren Personen für Alltagsangelegenheiten ein kleines Sorgerecht einräumen können. Doch dass die Reform noch kommt, ist inzwischen nahezu ausgeschlossen.

Ronja H. hat Michi auf die Welt gebracht und ist deswegen auf dem Papier alleinerziehend. Mia M. war schon damals Ronja H.s Mitbewohnerin und kümmerte sich mit um das Baby, dessen Vater sich kaum sorgte. Als Mia M. die Ausbildung zur Tischlerin abgeschlossen und endlich mehr Zeit hatte, übernahm sie Michi mehr und mehr. Und stellte fest: Sie will für ihn nicht nur eine enge Bezugsperson, sondern Elternteil sein. Rund ein Jahr später kam noch Tommy S. hinzu, mit dem Ronja H. mittlerweile seit vielen Jahren in einer Partnerschaft lebt.

Die Unsicherheit macht Angst

Die drei Eltern halten in einem Wochenplan fest, wer sich wann um Michi kümmert. Der 12-Jährige wechselt zwischen Tommy S.’ Hausprojekt im Dresdner Süden und dem Hausprojekt, in dem Mia M. und Ronja H. wohnen. Bei Tommy S. wohnen Kinder in Michas Alter, aber bei Ronja H. und Mia M. hat er ein größeres Zimmer – beides gute Orte, findet der Junge.

Familien wie die von Michi existieren im deutschen Recht bislang nicht. Als einzige der drei Eltern konnte Ronja H. deswegen Elternzeit nehmen. Auf Kinderkrankentage hat ebenfalls nur H. Anspruch. Wenn Michi mit den anderen beiden Eltern zum Arzt geht, muss H. ihnen eine Vollmacht mitgeben. Elternbriefe wollen die Leh­re­r*in­nen nur von Ronja H. unterschrieben wissen. Weil Mehrelternfamilien im Gesetz nicht vorkommen, gibt es für Situationen, in der Familien auseinanderbrechen, keine Regelung von Unterhaltsansprüchen. Und wenn Ronja H. etwas zustoßen sollte, hätte Michi keine Sorgeberechtigten.

Es macht mich so wütend, dass Mia und Tommy auf dem Papier nichts sind für ihn

Ronja H., hat Michi zur Welt gebracht

Die Eltern haben deswegen eine Sorgerechtsverfügung geschrieben und darin notiert, wie sie sich den Umgang mit Michi wünschen, wenn Ronja H. etwas passiert. Ob das Familiengericht sich danach richten würde, wissen sie nicht. Die Rechtsunsicherheit macht ihnen Angst, aber es geht um mehr: „Jede Vollmacht ist auch die Botschaft: Ihr seid keine richtigen Eltern“, sagt Mia M. „Mia und Tommy wischen auch Michis Kotze weg, was man halt so macht als Eltern“, sagt Ronja H. „Es macht mich so wütend, dass sie auf dem Papier nichts sind für ihn.“

Gesellschaftspolitische Themen schienen eigentlich die, auf die sich SPD, Grüne und FDP noch am besten einigen konnten: Die Ampel legalisierte den Konsum von Cannabis, führte das Selbstbestimmungsgesetz ein und ließ durch eine Kommission die Entkirminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen prüfen.

Bisheriges Recht passt nicht zur Realität

Im Januar 2024 legte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) ein Eckpunktepapier zum Abstammungsrecht vor. Im September folgte sein Gesetzentwurf, doch er hing schon vor dem Ampelbruch zwischen den Koalitionsparteien fest. Denn Buschmann wollte die Reform im Paket verabschieden – unter anderem mit einem Gesetz zum Unterhaltsrecht, das Väter von Trennungskindern finan­ziell entlasten sollte, wenn sie mindestens 29 Prozent der Kindebetreuung übernehmen. Das wiederum blockierte die Grüne Familienministerin Lisa Paus, weil sie Nachteile für alleinerziehende Mütter fürchtete.

Das Recht hinke der gesellschaftlichen Realität hinterher, findet Ronja H. Zusammen mit ihrer Kollegin Lisa T., die ebenfalls als Sozialarbeiterin junge Menschen bei ihrem Freiwilligendienst begleitet, hat sie eine Petition für die Reform des Abstammungsrechts gestartet. Mittlerweile haben mehr als 5.000 Menschen unterschrieben. Auch für Lisa T. würde eine Gesetzesreform viel verändern. Mit ihrer Partnerin plant Lisa T. gerade ein gemeinsames Kind. Das Paar hatte gehofft, die Prozedur der Stiefkindadoption nicht über sich ergehen lassen zu müssen.

Denn während Hetero-Paare ledigliche eine Sorgerechtserklärung ausfüllen, um gemeinsam rechtlich Eltern zu werden, müssen die Co-Mütter sich darauf einstellen, dass sie ihre Finanzen offen- und ärztliche Atteste vorlegen müssen. Manche Jugendämter bestehen darauf, dass die Adoption erst nach einem sogenannten Probejahr stattfinden darf, obwohl die Kinder als Wunschkinder in bestehende Beziehungen hineingeboren werden.

Zu wenig Wissen zu queeren Verhältnissen

„Vielen Jugendämtern fehlt schlicht das tiefergehende Wissen über queere Lebensverhältnisse“, sagt Michel Röhricht vom sächsischen LSVD – Verband queere Vielfalt. Es komme vor, dass die queeren Familien oder solche, die es noch werden wollen, wie ein tatsächlicher Adoptionsfall behandelt würden. „Es hängt sehr von der sachbearbeitetenden Person ab, wie es läuft“. Trans Personen und non-binäre Menschen, queere Mi­gran­t*in­nen und Asylsuchende müssten noch zusätzliche Hürden überwinden. „Viele Leute trauen sich nicht, den Weg zu gehen, obwohl sie eigentlich gern Kinder haben möchten“, sagt Röhricht.

„Niemand sonst muss seine Eignung zur Elternschaft unter Beweis stellen“, sagt Lisa T., „das ist so entwürdigend.“ In Berlin oder Hamburg seien die Jugendämter kulanter, an Regenbogenfamilien gewohnt. „Aber in Sachsen weiß man nie, an wen man gerät.“ Lisa T. und ihre Freundin haben beschlossen, vorsorglich schon mal zu heiraten.

Den lesbischen Paaren bleibt nun nur noch, auf das Bundesverfassungsgericht zu hoffen. Sechs Fälle sind dort mittlerweile anhängig. Auch Christina Klitzsch-Eulenburg ist vor Gericht gezogen. Die Juristin ist selbst Mutter zweier Kinder und hat mit ihrer Frau die Initiative Nodoption gegründet – gegen die Stiefkindadoption. Seit ihr erster Sohn 2020 von ihrer Frau geboren wurde, kämpft sie dafür, dass auch sie rechtlich Mutter ihres Kindes wird, ohne das demütigende Adoptionsverfahren zu durchlaufen.

Schwindende Hoffnung

„Dass die Reform nicht kommt, ist erschütternd für alle Kinder und Eltern in queeren Familien“, sagt Klitzsch-Eulenburg, „Sie haben sich darauf verlassen, dass dieser verfassungswidrige Zustand nun endlich beseitigt und sie genau so gut abgesichert werden wie alle anderen Familien.“ Als die Ampel ihren Koalitionsvertrag verabschiedete, habe sie kurz Hoffnung gehabt. Doch je mehr Zeit verging, desto mehr schwand die Hoffnung, sagt Klitzsch-Eulenburg. Immer weiter wurde das Gesetzesvorhaben ans Ende der Legislaturperiode geschoben.

wochentaz

Dieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

Der Entwurf, der letztendlich bei den Koalitionspartnern landete, berücksichtigte trans und inter Eltern in keiner Weise. Ernüchternd war für Klitzsch-Eulenburg zudem, dass Buschmanns Paket auch ein sogenanntes Gesetz gegen missbräuchliche Vaterschaftsanerkennungen durch ausländische Staatsangehörige beinhaltete. Eltern mit einem „Aufenthaltsrechtsgefälle“, also mit unterschiedlichen Aufenthaltstiteln, stellte der Entwurf unter Generalverdacht einer Schein­vaterschaft. Nun wird wohl das komplette Gesetzespaket nicht mehr verabschiedet.

In Sachen Abstammungsrecht scheint es auch beim Bundesverfassungsgericht nicht voranzugehen. Seit 2021 liegt das erste der sechs Verfahren beim Bundesverfassungsgericht. Noch keiner der Fälle ist entschieden worden.

Richter Henning Radtke, der beim Gericht zuständig für die Verfahren ist, begründet dies damit, dem Gesetzgeber nicht zuvorkommen zu wollen – und eine Reform hatte die Ampel ja vorgesehen. Radtke ist als Bericht­erstatter innerhalb des Gerichts dafür zuständig, die familienrechtlichen Fälle für die Verhandlung in der Kammer vorzubereiten.

Verzögerungen und Klagen

Doch aufgeschobene Gerechtigkeit ist verwehrte Gerechtigkeit, finden viele der Betroffenen. Kindern wie Eltern würden ihre Rechte vorenthalten. „Radtke ist nicht verpflichtet, die Verfahren weiterzuleiten, aber der Vorgang ist schon sehr ungewöhnlich“, sagt Klitzsch-Eulenburg, „zumal fünf Gerichte von der Verfassungswidrigkeit der momentanen Rechtslage so überzeugt waren, dass sie die Verfahren ans Bundesverfassungsgericht weitergeleitet haben.“

Im Oktober haben klagende Familien Verzögerungsrügen in Karlsruhe eingereicht und zudem einen Befangenheitsantrag gegen Radtke gestellt. Jetzt bleibt ihnen nur noch, aufs Bundesverfassungsgericht zu warten.

Michis Familie würde auch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Stiefkindadoption nicht weiterhelfen. Seine Eltern gehen davon aus, dass er 18 wird, bevor eine Reform des Abstammungsrechts für Mehrelternfamilien vom Bundestag verabschiedet wird. „Ich bin trotzdem total happy über unsere Konstellation und dass Michi drei super Bezugspersonen hat“, sagt Ronja H. Ihre Kollegin Lisa T. ist mit ihrer Partnerin gerade auf der Suche nach einem privaten Samenspender: „sehr aufregend!“ Indes hoffen die beiden, dass noch viel mehr Menschen ihre Petition unterschreiben werden.

Aber auch jetzt schon habe sie durch die Organisation der Petition viele Menschen kennengelernt, die in einer ähnlichen Situation sind wie sie, sagt Lisa T. Ihr habe das viel Kraft gegeben: „Es tut gut zu wissen, dass wir nicht allein sind.“

*Name geändert

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

14 Kommentare

 / 
  • Danke. Solche Berichte sind gut und wichtig.

    Familien wie die hier vorgestellten sind in der Minderheit (und werden es wahrscheinlich immer bleiben). Um so wichtiger ist es, Begegnungen zwischen der sogenannten Mehrheitsgesellschaft (die kein Problem damit hat, sich erklärten Normen anzupassen) und den verschiedenen Minderheiten zu ermöglichen. Und sei es auch nur medial vermittelte Begegnungen. Sind Texte gut gemacht, können auch sie helfen, Vorurteile abzubauen.

    Was nicht hilft, ist zu viel Ungeduld. Vorurteile können nur von denen abgebaut werden, die sie haben. Der Abbau kann auch nur freiwillig erfolgen. Es gibt keine Abkürzung auf dem Weg in eine vorurteilsfreie Gesellschaft.

    Ist die Ungeduld so groß, dass die Betroffenen (oder ihre selbsternannten Vertreter) sich nicht länger beherrschen wollen, bauen sie oft den sogenannten „Druck“ auf, statt weiter mühsam aufzuklären. Dann schlägt jede positive Entwicklung in ihr Gegenteil um. Denn „Druck“ erzeugt „Gegendruck, und der bremst positive Entwicklungen nicht nur aus, er kann sie auch umkehren.

    Genau das erleben wir grade: Auch gut gemeinte Gewalt ist kontraproduktiv. Vor allem, wenn sie vernünftiges Handeln ersetzen soll.

  • Sorry, aber ich kann mich einfach nicht der Haltung, entledige, dass Elternschaft primär und üblicherweise biologisch zugeordnet und höchstens auf zwei Elternteile eingegrenzt werden sollte, da sie nun einmal auch biologisch ist und nicht von Paar- oder Mitbewohner-Beziehungen abhängig sein kann. Erleichterte Adoption wäre besser.



    Auch wenn ich die Betroffenen gut verstehe, müssten Sie hier auch mal über ihren eigenen Tellerrand hinaus gucken und bitte mal bedenken, welche Missbrauchs-Möglichkeiten und eventuelle sozialpsychologische Folgen für den Nachwuchs eine Gesetzeslage auch haben könnte, das praktisch unabhängig von der biologischen Elternschaft, jeder selbst gewählten Lebensform bzw Beziehungsform, eine Elternschaft, auch noch in beliebiger Anzahl ermöglicht, die rechtssicher ist, wie eine per Abstammung.



    Dann könnte man ja auch im Umkehrschluss, Menschen, die einander überhaupt nicht kennen und aus einem einmaligen Geschlechtskontakt heraus Eltern geworden sind, aber weder Nachwuchs kennen noch mit ihm etwas zu tun haben wollen, ebenso einfach von der Elternschaft entbinden, weil nicht die geringste emotionale oder irgendeine andere Bindung besteht.



    Wäre das richtig?

    • @Edda:

      Natürlich wäre (und ist) das richtig, oder wären Sie gerne als Kind bei Eltern aufgewachsen, die nichts mit ihnen zu tun haben wollen? Ich nicht.



      Die Zahl der Alleinerziehenden steigt in Deutschland kontinuierlich (2023 lebten 17 Prozent der Kinder mit nur einem Elternteil zusammen). Und nur die Hälfte aller Kinder erhält überhaupt Unterhalt von getrennt lebenden Elternteil, davon aber wiederum nur ein Teil den vorgeschriebenen Mindestunterhalt. 50 Prozent der zahlungspflichtigen Elternteile zahlt schlicht deshalb nicht, weil sie keinen Bock haben, obwohl sie es wirtschaftlich oft könnten. Welche "eventuelle sozialpsychologische Folgen für den Nachwuchs" hat denn das?



      Ich kann in Ihr Loblied auf die verabsolutierte biologische Elternschaft nicht einstimmen, es ist eine Hymne auf eine Realität, die es nicht gibt. Fragen Sie auf den Jugendämtern nach.



      Familie ist dort, wo Erwachsene Verantwortung für Kinder übernehmen und die Sorgearbeit leisten (= mein Gegenlied).

      • @mats:

        „ Familie ist dort, wo Erwachsene Verantwortung für Kinder übernehmen und die Sorgearbeit leisten (= mein Gegenlied).“

        D.h., dann ist Kita, Schule, die Nachbarn, der Sportverein, die Betreuer im Jugendtreff und so weiter, alles Familie?

        Wow, nie im Leben möchte ich, dass mein Kind denkt, dass jegliche Verantwortung, die man für andere Menschen übernimmt, nur familär sein kann und auch nicht, dass es jeden, der sich um ihn kümmert, für Familie hält!



        Was für eine Ellbogengesellschaft -Ansicht, wenn man meint, dass Verantwortung für andere Kinder oder Menschen übernehmen, außerhalb von familiären Rahmen nicht möglich oder angebracht ist.

        Ab von alldem als mein Schlusswort, möchte ich noch sagen, wenn auch etwas polemisch: Wer es nicht geregelt kriegt, alleine oder zu zweit ein Kind groß zu kriegen und dafür drei oder vier Eltern braucht, sollte es vielleicht einfach sein lassen.

        Davon nehme ich Homosexuelle Paare ausdrücklich aus, denn das ist noch mal eine ganz andere Problematik, wo das Gesetz auf jeden Fall nachbessern muss, so dass Homosexuelle Eltern biologischen Eltern rechtlich gleichgestellt sind.

      • @mats:

        Sorry, aber Sie sind ganz schlecht informiert gerade bezüglich des Jugendamtes. Dort zählt nämlich leider oft tödlich genetische Familie und unterhaltspflichtig, es gibt endlose Umgangsstreitigkeiten, weil alleine die biologische Abstammung ausschlaggebend ist. Sogar bei häuslicher Gewalt pocht das JA nach der Trennung, auf Umgang mit dem gewalttätigen Elternteil, wenn auch im BU, weil eben die biologische Identität so wichtig ist. Was Sie beschreiben, ist etwas anderes, nämlich das Problem der Verantwortungslosigkeit Eltern ihren Kindern gegenüber. Und sie finden es also okay, alle Eltern, die kein Bock auf Verantwortung oder Verpflichtung haben, aus der Elternschaft zu entbinden und man sich Elternsein, einfach selbst aussuchen kann, nachdem das Kind schon geboren ist? Wird sich schon jemand finden, der sich dafür verantwortlich fühlt? Das habe ich gemeint mit Umkehrschluss. Abgesehen davon, dass Elternkind Beziehungen nie statisch, sondern dynamisch sind und eine Eltern-Kind-Paar Beziehung sich verändern und dann jedes Mal, nach neuen Partnerschaften oder Lebensphasen neue Eltern aussuchen, weil es organisatorisch einfacher ist?!?



        Was für ein unzuverlässiges Chaos für Kinder!

        • @Edda:

          "weil alleine die biologische Abstammung ausschlaggebend ist"



          Dss nenn ich mal nen Trugschluss. Das Jugendamt hält sich an die Eltern, wer auch immer als solche benannt sind. Über deren Biologie weiß es nix, woher auch.



          Wer als Eltern gilt, regelt allein das Familienrecht -- nicht die Biologie und nicht das Jugendamt.

          • @mats:

            „Das Jugendamt hält sich an die Eltern, wer auch immer als solche benannt sind. Über deren Biologie weiß es nix, woher auch.“

            So ein Blödsinn!



            Dann erklären Sie mal Fälle wie Yagmur aus Hamburg, der brutal aufzeigte, wie fatal es ist, dass nur biologische Elternschaft zählt. Das Mädel war geliebt und hielt die Pflegenama für ihre richtige.



            Es gibt Initiativen von Pflegeeltern, die sich dagegen wehren, die nicht mal nach Jahren Rechtssicherheit, bekommen, obwohl Kinder in den Pflegefamilien teils bereits seit Geburt leben.. Und sie reden das null und nichtig?

            „ Wer als Eltern gilt, regelt allein das Familienrecht -- nicht die Biologie und nicht das Jugendamt.“

            Erklären Sie mal dann die ganzen traumatischen Rückführungen, sogar nach Jahren, die Bereitschafrspflege usw., wenn angeblich biologische Abstammung beim JA keine Rolle spielt! Das Gegenteil ist der Fall,



            Elternrecht (der biologischen Eltern) steht im Gesetz höher als Kindeswohl! Ich wünschte dem wäre nicht so, denn auch ich halte die soziale Elternschaft für wichtiger als biologische, aber im Gesetz und JA ist die biologische Elternschaft nun mal praktisch unantastbar und ist immer als Handlungleitfaden beim JA!

          • @mats:

            Nein, das Familienrecht regelt Uneinigkeiten in bestehenden Familien und stellt biologische Elternschaft hei Bedarf fest, in welcher Form auch immer, es bestimmt sie nicht! Familiengericht heißt nicht Familiengericht, weil es Familie macht, sondern weil es Familie regelt. Sie wollen einfach nicht den Unterschied zwischen biologischen und sozialen Eltern verstehen. Und biologische Eltern sind nun mal ausnahmslos und immer die, von denen Eizelle und Samen stammen. Das kann man finden, wie man will, aber mit Ideologie kommt man gegen diese Tatsache einfach nicht an. In Deutschland bestimmt dieses Abstammungsprinzip sogar, ob man demokratische Rechte wie Wahlrecht, Bürgerrechte trotz hiesiger Geburt bekommt oder nicht. Ob man ein vollwertiger Bürger oder nur geduldet ist. All das bestimmt in diesem Land alleine die biologische Abstammung! Und sie regen sich auf, dass man Eltern nicht selbst wählen darf.



            Und genau genommen geht es nicht mal um die Kinder, sondern dass die Bio-Eltern zusätzliche Eltern für ihr Kind bestimmen wollen, weil sie sich gerade alles so lieb haben. Werden die Wahleltern bei Trennung auch Unterhalt zahlen, verlässlich Umgang haben, Großeltern werden…?

  • Ich bin froh, das die Gesetzesnovelle gescheitert ist.

    Ich halte die automatische Vaterschaft von verheirateten Vätern bereits für einen Anachronismus, der überwunden werden sollte. Die Gründe, die es hierfür bei der Schaffung des BGB gab, gelten heute aus meiner Sicht nicht mehr. Bei jedem neu geborenen Kind sollte einfach ein Vaterschaftstets gemacht werden.

    Damit wäre dann auch die Forderung nach der automatischen Anerkennung von verheirateten Mitmüttern obsolet.

    Ausgehend von den biologischen Eltern sollten dann Möglichkeiten zur Übertragung geschaffen werden.

    • @DiMa:

      „ Ich halte die automatische Vaterschaft von verheirateten Vätern bereits für einen Anachronismus, der überwunden werden sollte“

      Sehe ich genauso. Das ist mittlerweile so unglaublich verstaubt.

    • @DiMa:

      "Ausgehend von den biologischen Eltern sollten dann Möglichkeiten zur Übertragung geschaffen werden."



      Nette Idee, aber wie wollen Sie das umsetzen, wenn der getrennt lebende Elternteil der Adoption nicht zustimmt? Dann müsste Sie letztlich doch dem sorgeberechtigten Elternteil das Recht einräumen, selbst einem Dritten dieses Recht allein einzuräumen, was im Moment nur Vormundschaftsgerichte durchsetzen können (§ 1747 und § 1748 BGB).



      Und was Sie vorschlagen löst überdies nicht das Problem, dass in Patchwork-Konstellationen heute oft mehr als zwei Erwachsene de facto die Sorgearbeit übernehmen, ohne dass dies rechtlich anerkannt würde.



      Ebenso lassen Sie jene Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren einfach im Stich, die von Vorneherein in diese Familienkonstellation geboren werden, aber rechtlich nur ein Elternteil haben.

      • @mats:

        Sie verweigern einfach das Verständnis, welche Möglichkeiten eine solche Änderung für Missbrauch schaffen würde. Ihre Sicht ist sehr einseitig und lässt nur eine Perspektive zu. Zu aller erst müssen Sie sich mal klarmachen, dass es primär immer um das Kindeswohl zu gehen hat und nicht was für die Erwachsenen, die ihre Konstellationen selbst gewählt haben und jederzeit auch wieder abwählen können, schöner ist.



        Und dass mehr Menschen als die zwei biologischen Eltern an der Sorge, Betreuung und Erziehung eines Kindes beteiligt sind, ohbe Eltern zu sein, ist in großen Teilen der Welt vollkommen normal, es heißt nicht umsonst, das es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind groß zu ziehen. Aber das ganze Dorf muss nicht gleich das Sorgerecht bekommen. Auch in meiner Kultur ist es völlig normal, dass enge Freunde der Eltern, sich mit um das Kind kümmern, betreuen, versorgen. Würden aber deswegen nie auf die Idee kommen, Sorgerecht zu beanspruchen. Es ist eine deutsche Sache, anzunehmen, dass nur Eltern für die Sorge und Pflege ihrer Kinder zuständig seien. In anderen Kulturen ist es gang und gebe, dass man nicht gesetzliche Eltern sein muss, um sich um ein Kind mit zu kümmern

      • @mats:

        zu 1) Nichtzustimmung

        Wenn das nichtsorgeberechtigte Elternteil der Adoption nicht zustimmt, bleibt es halt Elternteil. Steht dies dem Kindeswohl entgegen kann das Familiengericht die Zustimmung durch Urteil ersetzen.

        Zu 2) Mehrelternschaft

        Es gibt aus meiner Sicht keine Notwendigkeit für eine Elternschaft von mehr als zwei Eltern. Wenn Dritte Sorgeaufgaben übernehmen reicht halt eine Vollmacht.

        Zu 3) Gleichgeschlechtliche Paare

        Aus meiner Sicht steht einer Übertragung der Elternschaft vor und/oder nach der Geburt durch unwiederrufliche nicht anfechtbare Erklärung des biologischen Elter nichts entgegen. Der grundgesetzliche Anspruch des Kindes auf Kenntnis der Abstammung bleibt hierdurch gewahrt.

      • @mats:

        War Antwort an DiMa.