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Absolute Vodka und U2 gehören jetzt zusammen

■ Kanadische Seagram-Gruppe übernimmt Musikproduzenten Polygram für 18 Mrd. Mark

Berlin/New York (taz/AFP) – Mit Musik und hochprozentigem Alkohol kann man mehr und schneller Geld machen als mit Saft und teuren Filmen. Vor allem, wenn man in der Branche zu den großen drei gehört. Das muß sich auch Edgar M. Bronfman jr., Präsident des Gemischtwarenkonzerns Seagram gedacht haben. Am Freitag machte der 43jährige, der sich als Co-Songschreiber bei Celine Dions Hit „To Love You More“ auch schon praktisch in der Szene umgetan hat, den größten Deal in der Geschichte der Musikbranche perfekt.

Für umgerechnet rund 18 Milliarden Mark übernimmt die Seagram-Gruppe, zu der die Plattenfirma MCA und die Universal-Studios, aber auch der Fruchtsaftproduzent Tropicana und Spirituosenfirmen, gehören, den weltgrößten Musikkonzern Polygram.

Damit rückt Seagram auf einen Schlag ganz dicht ran an die ganz großen Konkurrenten in der Unterhaltungsbranche, Sony und Warner Brothers.

Polygram, das unter anderem die Popgruppen U2, Hanson und Janet Jackson sowie Elton John unter Vertrag hat, war bislang zu 75 Prozent vom niederländischen Elektronikkonzerns Philips kontrolliert worden. Dieser sicherte zu, in den kommenden Jahren 2 Milliarden Dollar in die Gruppe zu investieren. Philips-Chef Cor Boonstra wird in den Aufsichtsrat der Seagram aufrücken. Die Minderheitsaktionäre der Polygram sollen ausgezahlt werden.

Um das Geld für den Kauf zusammenzubekommen, will Seagram möglicherweise seine Tochterfirma Tropicana Juice verkaufen, angepeilt ist ein Erlös von rund 6 Milliarden Mark. Ebenfalls abgestoßen werden sollen die Beteiligung am US-Medienkonzern Time Warner, die auf rund 1,6 Milliarden Mark geschätzt wird, sowie die verlustträchtige Filmsektion, mit der Polygram den amerikanischen Studios Konkurrenz hatte machen wollen.

Bronfman verspricht sich von der Übernahme Synergieeffekte von jährlich 450 Millionen Mark. Unklar ist, wie viele der weltweit 30.000 Beschäftigten des Unternehmens, das seinen Hauptsitz in Montreal hat, gehen müssen. Nach Einschätzung von Analysten sind vor allem die Arbeitsplätze an den US-amerikanischen Standorten von Polygram gefährdet.

Die Übernahme sei „okay“, erklärte Alan Kassan von der Deutschen Morgan Grenfell in New York, der Preis sei jedoch „gepfeffert“. Das Musikgeschäft verspreche schnellere Gewinne als die Filmproduktion und verlange geringere Investitionen.

Nach der Bekanntgabe legten die Polygram-Aktien gestern an der Amsterdamer Börse um 4,70 Gulden auf 114,10 zu, die des Mutterkonzerns Philips sackten um 4 Gulden auf 198,80. Beate Willms

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