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Abrißsenator gelobt Besserung

■ Stadtentwicklungssenator Hassemer wehrt sich gegen die Kritik, er sei verantwortlich für Abrißlawine in Mitte

Neue Hoffnung gibt es für das ehemalige Hotel „Roter Adler“ in Mitte. Das Jugendstilgebäude in der Schützenstraße, das die Winterthur-Versicherung abreißen möchte, will Stadtentwicklungssenator Volker Hassemer (CDU) erhalten. Er reagierte damit auf die taz-Serie zur Abrißlawine im Bezirk Mitte. Auch beim Sat.1-Bauvorhaben in der Jägerstraße habe man eine Einigung erreicht, sagte Hassemer gestern. Nicht die Verzögerungstaktik des Bezirks, sondern seine intensiven Gespräche hätten dies ermöglicht, betonte der Senator. Gegenstand von Gesprächen sei gegenwärtig auch die nördliche Halle des Bahnhofs Friedrichstraße, die auf der Abrißliste der Bundesbahn steht. „Wir gehen davon aus, daß wir uns durchsetzen“, so Hassemer. Er sparte zugleich nicht an Lob für die Arbeit seiner Verwaltung. Obwohl die Auseinandersetzungen um den Denkmalschutz härter seien als jemals zuvor, sei kein einziges der „gesetzlich geschützten Denkmäler“ in Mitte aus der Denkmalliste gelöscht worden. – Hassemer sagte damit die Wahrheit und zielte zugleich haarscharf an ihr vorbei: Die Baustadträtin in Mitte, Dubrau, wirft Hassemer vor, drei Jahre lang verhindert zu haben, daß schützenswerte Gebäude überhaupt in die Denkmalliste aufgenommen wurden. Der Senator habe damit die gegenwärtig rund 160 Abrißanträge zu verantworten. Hassemer habe auch bis heute die Verabschiedung einer Erhaltungssatzung für den Bezirk Mitte verhindert. Eine solche Satzung hatte das Bezirksamt in Mitte bereits 1991 auf den Weg gebracht, um die historischen Quartiere vor den abrißwütigen Investoren zu retten.

Hassemer sieht das anders. Er gestand zwar zu, daß bisher zu wenig Baudenkmäler unter Schutz gestellt worden seien. Seine Behörde habe aber Erhaltungssatzungen in einem Umfang wie in keiner anderen deutschen Stadt eingesetzt. Je großflächiger die Bereiche der Erhaltungssatzungen geschnitten würden, um so geringer sei allerdings der tatsächliche Schutz. Er plädierte für einen möglichst kleinteiligen Einsatz dieses Instruments, für das künftig die Bezirke zuständig sind. Allerdings muß die Stadtentwicklungsbehörde auch weiterhin zustimmen.

Erhaltungssatzungen werden gegenwärtig für den Bereich „Graefestraße“ in Kreuzberg und für die Bereiche Dorotheenstadt, Friedrichstadt, südliche Brunnenstraße und Friedrich-Wilhelm- Stadt in Mitte vorbereitet. Gleiches gilt für den Bereich Seestraße in Wedding, den Klausener Platz und die Siedlung an der Heerstraße in Charlottenburg. Erhaltungssatzungen existieren bereits in Friedenau, in der Spandauer Vorstadt in Mitte, im Stephan- und Huttenkiez in Tiergarten sowie für den Bereich Alt-Charlottenburg.

Der Stadtentwicklungssenator warf seinerseits dem Bezirk Mitte Versäumnisse vor. Die Baustadträtin habe es unterlassen, ein am „erhaltenen Altbaubestand orientiertes und differenziertes Planungsrecht in Angriff“ zu nehmen. Gerd Nowakowski

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