Abriss der Hamburger Sternbrücke: Tage der Clubs sind gezählt

Die Bahn stellt neue Pläne für den Abriss der Sternbrücke vor. Sie bedrohen die ansässigen Musikclubs. Anwohner*innen kritisieren Pseudo-Beteiligung.

Die Sternbrücke, ein Pizzaladen, ein Club im Abendlicht

So sah die Sternbrücke 2008 aus. Wie wird sie 2028 aussehen? Foto: Frank Brexel/imago

HAMBURG taz | Seit Jahren schwelt der Streit über den Abriss der Sternbrücke, aber jetzt macht die Bahn Tempo. Noch im April soll das Planfeststellungsverfahren für den Abriss beginnen. Das Verfahren kann dauern – je nachdem, wie viel Widerspruch von Bürger*innen kommt. Also wahrscheinlich lange. Am Mittwoch vor Ostern fanden die Anrainer*innen der Sternbrücke Einladungen in ihren Briefkästen: Bis Dienstag nach Ostern hätten sie Zeit, 17 Personen zu benennen, die an einer Infoveranstaltung der Deutschen Bahn teilnehmen dürfen. Die Veranstaltung findet am heutigen Donnerstag im Bezirksamt Altona statt. Wer nicht dabei sein könne, könne sich per Livestream zuschalten. Am Mittwochabend tagte bereits der nicht-öffentliche Planungsausschuss.

Für den Wagenplatz Zomia kommt die Einladung zu kurzfristig, außerdem verstehen die Bewohner*innen die Eile nicht. „Die Bahn hatte jahrelang Zeit, ein sinnvolles Beteiligungsverfahren zu entwickeln“, sagt der Bewohner Kai Mehring. Stattdessen versuche sie jetzt, während das restliche gesellschaftliche Leben aufgrund der Corona-Maßnahmen stillstehe, eine Pseudo-Beteiligung im Eiltempo durchzuführen. „Für so ein Feigenblatt geben wir uns nicht her“, sagt Mehring.

Der Wagenplatz befindet sich neben dem Beachclub Central Park auf der Brammerfläche nördlich der Brücke. Die Fläche gehört der Stadt und soll als Baustelle dienen. Die Zukunft des Wagenplatzes schien besiegelt, aber das Blatt hat sich gewendet. „Wir haben eine Flächenplanung entwickelt, die den Verbleib des Bauwagenplatzes während der Bauarbeiten sicherstellt“, bestätigt eine Bahnsprecherin. Allerdings unter zwei Prämissen: Die Bewohner*innen müssen ein Stück ihrer Fläche abgeben und zusichern, dass sie sich nicht über Staub und Lärm beschweren. Die Vereinbarung ist noch nicht unterschrieben. Für die Zeit nach der Baustelle ist dann wieder alles offen, denn die Stadt hat der Saga den Zuschlag gegeben, die Fläche zu bebauen.

Ideen für neue Standorte

Betroffen vom Abriss sind auch die Musikclubs Waagenbau, Fundbureau und Astra Stube. Zuletzt erhielten die Clubs eine Verlängerung ihrer Mietverträge bis Ende 2021. Der Plan der Bahn sieht die Befüllung der Kasematten und den Abriss angrenzender Gebäude vor – also das Ende der Clubstandorte. Stadt und Bahn wollen aber Ideen für neue Kulturstandorte entwickeln.

Davon sei bislang nichts zu spüren, sagt der Geschäftsführer des Waagenbaus, John Schierhorn: „Jede Ersatzfläche, die wir vorgeschlagen haben, wurde ohne Begründung abgelehnt.“ Dabei gebe es genug geeignete Flächen in der Umgebung. Gegenvorschläge seien vom Bezirk auch nicht gekommen. Im Gegensatz zu Zomia lehnt Schierhorn die Informationspolitik der Bahn nicht ab, sie sei wesentlich besser als die der Stadt.

Die Clubs, der Wagenplatz, einige Anwohner*innen und der Denkmalverein haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam der Stadt und der Bahn gegenüberzutreten. Sie fordern ein umfassendes und transparentes Beteiligungsverfahren, das sich nicht nur auf die Brücke beschränke. „Es geht auch um den Stadtraum, das Verhältnis von Wohngebiet und Verkehr und Fragen der Mobilität der Zukunft“, sagt Sonja Nielbock von der Initiative Sternbrücke.

Und dann ist da noch der Denkmalschutz – für die Bahn allerdings kein Thema, das Wort kommt in der Mitteilung über die Pläne nicht vor. Eine Sanierung sei unwirtschaftlich, legte die Bahn bereits in der Vergangenheit dar. Die Kosten für Abriss und Neubau von 125 Millionen Euro tragen Bahn und Stadt. Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein kritisiert: „Der Senat gibt ein wichtiges verkehrsgeschichtliches Denkmal auf. Der Verkehrsfluss und die wirtschaftlichen Vorteile der Bahn gehen augenscheinlich vor Geschichte und Baukultur.“

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