: AKW-Gegner erheben Zoll
■ Töpfer rechtfertigt sich für den Atommülltransport nach Gorleben
Berlin (taz) – Im Wendland haben dreihundert Atomkraftgegner gestern begonnen, Zoll zu kassieren. An einem eigens errichteten Zollhäuschen am Rande der Straße von Gedelitz zum Atommmüllager Gorleben ließen sie einen Schlagbaum herunter. Polizeibeamte, die in den kommenden Tagen den Transport eines Castor- Behälters mit hochradioaktivem Atommüll nach Gorleben erzwingen sollen, werden um ein paar freundliche Sprüche angegangen. Ein Stück weiter haben die Atomkraftgegner die Straße untertunnelt und damit alle Wege nach Gorleben unpassierbar gemacht.
Eben jene Entwicklung ist es, die das Bundesumweltministerium in Bonn beunruhigt. Die Blockierer sehen sich im Recht, die Polizisten stehen für den Atomstaat. „Man hat ja schon den Eindruck, als ob wir uns außerhalb von Recht und Gesetz stellen“, schimpft Ministeriumssprecherin Marlene Mühe. Deshalb lud ihr Chef Klaus Töpfer (CDU) gestern außer der Reihe zur Pressekonferenz nach Bonn. Die Rechtslage sei eindeutig, so der Minister. Die Deutsche Bahn AG – Abteilung Nukleartransporte – habe im Januar einen Antrag zum Transport des Castor- Behälters mit Atommüll vom AKW Philippsburg nach Gorleben gestellt. Und das Bundesamt für Strahlenschutz habe den Antrag am 17. Juni positiv beschieden. Die Zwischenlagerung solcher Castor- Behälter mit hochradioaktivem Atommüll in Gorleben sei schon seit 1991 genehmigt.
Auch an der Eskalation in Gorleben fühlt sich Töpfer unschuldig. Die Anträge für die Einlagerung habe schließlich die Stromwirtschaft gestellt, nicht er. Und außerdem seien Castor-Transporte weder für die Bahn noch für die Republik etwas Ungewöhnliches. 130 solcher strahlenden Container seien schon vom THTR Hamm- Uentrop ins NRW-Zwischenlager Ahaus verbracht worden. Die Rangierer und Kuppler der Deutschen Bahn AG werden immer informiert, was sie dort rangieren und verkuppeln sollen. Passieren könne nichts. „Der Castor strahlt doch nicht“, so Bahnsprecher Hans-Jürgen Frohns – „oder nur in ganz keinen Dosen.“ ten
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen