: 4-3-3, nicht 4-4-2
■ Mit neuer Taktik machen die Niederlande zwei dumme Tore und werden von Irlands Trainer Jack Charlton geliebt
Orlando/Berlin (taz) – Und der Trainer hat doch recht. Hat Dick Advocaat sein Team nicht eindringlich vor dem 4-4-2-System gewarnt? Er hat. Hatten sich die Spieler in der Vorrunde mit ihrem Willen nicht durchgesetzt? Sie hatten.
Und? Nix Gescheites rausgekommen dabei. Da hat der Advocaat die Rasselbande eben zu ihrem Glück zwingen müssen. Hat also gegen die Iren am Montag das von ihm bevorzugte und ehedem praktizierte 4-3-3 verordnet. Und siehe da, der offensive Neuling Marc Overmars wuchs zum Besten auf dem Platz, das Duo Dennis Bergkamp und Wim Jonk (als 25-Millionen-Mark-Paket nach Italien spediert) war quietschfidel. Was Advocaat freute – verständlich, weil die Umstellung auf Mauertaktik „vielleicht ein Jahr dauert“. So wird also künftig weiter nach vorn gespielt, denn „unsere Elf steht“ und sollte auch am Samstag gegen Brasilien eine Chance haben: „Das kann ein großer Knüller werden.“
Kollege Charlton aber zog genüßlich an der Zigarre und dachte nimmer an Torhüter Bonners saudummen Fehlgriff, der mit dem 2:0 die Entscheidung brachte: „Ich liebe die Holländer. Wenn uns schon jemand aus dem Turnier wirft, dann bin ich froh, daß sie es waren. Wir werden mit ihnen eine tolle Party feiern.“ Wie aber kömmt's dann, daß dem Fan des Angelwurfs gestern in der irischen Presse „Amtsmüdigkeit“ nachgesagt wurde, ein Rücktrittsgedanke gar? Wo doch als Nächstes die EM-Endrunde '96 in seiner Heimat England lockt? Nachdenken wird er drüber, hat er gesagt, „bei meiner Lieblingsbeschäftigung“. Vorsicht, ihr Lachse und Forellen, nehmt euch in acht! thöm
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