300.000 Tonnen Altmunition in der Ostsee: Wasser in Kieler und Lübecker Bucht kontaminiert
Seit Jahrzehnten lagern Patronen, Granaten und Bomben auf dem Meeresgrund. Sie setzen kiloweise giftige Chemikalien frei, zeigt eine Studie.

Noch lägen die Werte unterhalb der Schwelle für ein Gesundheitsrisiko, in einigen Fällen näherten sie sich jedoch kritischen Konzentrationen. Um langfristige Risiken zu minimieren, müsse die Munition geborgen werden. Die Studie ist im Fachmagazin Chemosphere erschienen.
In der deutschen Ostsee lägen Schätzungen zufolge rund 300.000 Tonnen Altmunition, informierte das Geomar. Der Großteil stamme aus gezielten Versenkungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Gebiete seien bekannt, die Munition liege überwiegend sichtbar auf dem Meeresboden und könne mit Tauchrobotern dokumentiert werden.
Mit fortschreitender Korrosion der Metallhüllen nehme die chemische Umweltbelastung zu. Steigende Temperaturen und zunehmende Stürme durch die Klimakrise würden den Zerfall der Munition zusätzlich beschleunigen, hieß es. Laut Studie enthält die Altmunition giftige Substanzen wie TNT, Quecksilber oder Blei, die ins Meerwasser freigesetzt werden, wenn die Metallhüllen durchrosten.
Sanierung wäre möglich
Erstautor Aaron Beck, Geochemiker am Geomar, warnte: „Diese Stoffe können die marine Umwelt und die Gesundheit von Lebewesen gefährden, da sie toxisch und krebserregend sind.“ Die Forschenden empfehlen, die versenkten Altlasten gezielt zu sanieren. Altmunition lasse sich „physisch aus der Umwelt entfernen“. Die Munitionsräumungen in Deutschland könnten als Modell für die Beseitigung solcher Abfälle auf der ganzen Welt dienen.
Der Bund hat ein Pilotprogramm zur Bergung und umweltgerechten Entsorgung von Munitionsaltlasten ins Leben gerufen. Mit einem Budget von 100 Millionen Euro wurden im Herbst 2024 erstmals gezielt Munitionsreste aus der Lübecker Bucht geborgen. In einem zweiten Schritt soll eine autonome Bergungsplattform entwickelt werden, die die Altmunition vor Ort birgt und unschädlich macht.
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
CDU delegitimiert NGOs
Rechter Kulturkampf der Merz-Lauchs
551 Fragen im Bundestag
Union attackiert Zivilgesellschaft
Lockerung der Schuldenbremse
Bitte jetzt mal eine große Koalition der Vernunft
Wahlergebnis in Westdeutschland
Hier liegt die AfD vor allen anderen
Der Jahrestag der Ukraine-Invasion
Warum Russland verlieren wird
Grüne nach der Wahl
Fünf sind eine zu viel