++ Nach dem Mord an George Floyd ++: Würgegriff verboten

In den USA werden Polizeireformen beschlossen. Ein Reddit-Verwaltungsrat fordert eine Schwarze Nachfolgerin. Justin Trudeau kniet im Protest gegen Rassismus nieder.

Der Arm einer schwarzen Person ragt aus dem Dachfenster eines Autos. Die Faust ist im protest geballt.

Black Lives Matter Foto: Mike Stewart/dpa

Polizeireformen in den USA

Nach Demonstrationen gegen Rassismus und die Tötung von George Floyd, hat die Stadt Minneapolis umfassende Polizeireformen angekündigt. Künftig dürften Beamt*innen keine Würgegriffe mehr anwenden und Verdächtige nicht am Nacken festhalten, erklärte Bürgermeister Jacob Frey. Zudem müssten alle Polizeibeamt*innen, die Zeugen einer „ungenehmigten Gewaltanwendung“ ihrer Kolleg*innen würden, dies unter Strafandrohung melden. Die mit dem Bundesstaat Minnesota juristisch bindend vereinbarten Reformen seien ein guter Schritt, um die Kultur der Polizei zu ändern und „systematischen Rassismus zu entwurzeln“, schrieb Frey auf Twitter.

Auch im bevölkerungsreichen Westküstenstaat Kalifornien soll ein Würgegriff, bei dem die Blutzufuhr zum Gehirn unterbunden wird, künftig verboten werden. Gouverneur Gavin Newsom erklärte am Freitag, die Methode werde aus dem Trainingsprogramm für Polizeibeamt*innen verbannt, zudem solle auch eine gesetzliche Regelung folgen. Auch der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, stellte am Freitag einen Gesetzesentwurf vor, der unter anderem den Würgegriff bei Polizeieinsätzen verbieten soll. Zudem sollen Akten zu früherem Fehlverhalten von Polizist*innen transparent einsichtlich gemacht werden. (dpa)

Reddit-Gründer tritt ab und fordert Schwarze Nachfolgerin

Der Mitgründer der Online-Plattform Reddit, Alexis Ohanian, hat seinen Rückzug aus dem Verwaltungsrat der Firma angekündigt und eine Neubesetzung des Postens mit einer Schwarzen Person gefordert. Das schrieb Ohanian am Freitag auf Twitter. Firmenchef Steve Huffman kündigte umgehend an, dass er Reddit den Wunsch erfüllen werde.

„Es ist längst überfällig, das Richtige zu tun“, sagte Ohanian, der mit Tennis-Star Serena Williams verheiratet ist, am Freitag in einem Video auf Instagram. Er sei der Ansicht, dass Rücktritte von Menschen in Machtpositionen in der aktuellen Situation ein „Zeichen von Führung“ sein könnten, sagte Ohanian. „An jeden, der für unsere zerbrochene Nation kämpft: Hört nicht auf damit!“

Ohanian, der Reddit vor 15 Jahren mitbegründete, kündigte zudem an, er werde eine Million Dollar (900.000 Euro) an das Anti-Diskriminierungs-Programm „Know Your Rights“ des Basketball-Stars Colin Kaepernick spenden. Kaepernick hatte 2016 aus Protest gegen die Gewalt gegen Schwarze die US-Hymne auf einem Knie statt stehend angehört. Er wurde seit der Saison nicht mehr von einem Team der Profi-Liga NFL engagiert. NFL-Boss Roger Goodell räumte in der Nacht zum Samstag ein, es sei ein Fehler gewesen, nicht schon früher auf die Kritik Schwarzer Spieler gehört zu haben. (dpa)

US-Justiz will Demonstrant*innen nicht anklagen

In New York hat Manhattans Staatsanwalt Cy Vance angekündigt, Demonstrant*innen nicht wegen Verstößen gegen die nächtliche Ausgangssperre zu belangen. „Die strafrechtliche Verfolgung von Demonstrierenden, denen diese geringfügigen Delikte vorgeworfen werden, untergräbt die wichtigen Verbindungen zwischen den Strafverfolgungsbehörden und den Gemeinschaften, denen wir dienen“, hieß es in einer Mitteilung.

In der Millionenmetropole hatten zuletzt immer wieder Tausende Menschen weitestgehend friedlich demonstriert. Dabei sind nach Angaben der Polizei bereits mehr als 2000 Menschen vorübergehend festgenommen worden. New York, Atlanta, Los Angeles, Washington, Minneapolis und andere Städte hatten nach Ausschreitungen am Rande der Proteste zeitweise Ausgangssperren verhängt. In Washington war die Polizei angewiesen worden, friedliche Demonstrant*innen trotz Ausgangssperre nicht festzunehmen. (dpa)

Trudeau kniet vor tausenden Demonstranten nieder

Mit einem Kniefall vor tausenden Demonstrant*innen hat Kanadas Premierminister Justin Trudeau nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt gesetzt. Trudeau und der kanadische Familienminister Ahmed Hussen nahmen am Freitag an einer Demonstration am Parlament in Ottawa teil. Dabei kniete Trudeau, der ein weißes Hemd und eine schwarze Maske trug, minutenlang schweigend nieder.

Auch in Kanada hätten „viel zu viele“ Menschen Angst vor Polizisten, sagte Trudeau vor der Demonstration am Freitag. Vielen Kanadier*innen sei nun plötzlich klar geworden, dass Diskriminierung für viele „gelebte Realität“ sei und endlich aufhören müsse.

Am Dienstag hatte Trudeau auf die Frage eines Journalisten zum Umgang von US-Präsident Donald Trump mit den Unruhen in den USA 20 Sekunden lang geschwiegen und dann eine ausweichende Antwort gegeben. „Wir beobachten alle mit Entsetzen und Fassungslosigkeit, was in den USA geschieht“, sagte Trudeau. (afp)

Michael Jordan spendet 100 Millionen Dollar

Basketball-Legende Michael Jordan spendet 100 Millionen Dollar (rund 88 Millionen Euro) für den Kampf gegen Rassismus in den USA. Jordan und seine Marke Jordan Brands wollen das Geld über zehn Jahre an verschiedene Organisationen spenden, die sich gegen Rassismus und für soziale Gerechtigkeit und bessere Bildungschancen einsetzen, wie der Ex-Sportstar am Freitag mitteilte. So wolle er den „tief verwurzelten Rassismus“ in den USA bekämpfen.

Obwohl sich in den USA schon viele Dinge verändert hätten, „ist das Schlimmste gleich geblieben“, erklärte der 57-jährige Jordan, dessen Vermögen auf 2,1 Milliarden Dollar geschätzt wird. „Schwarze Leben zählen. Das ist keine kontroverse Aussage. Bis der tief verwurzelten Rassismus, der zum Scheitern der Institutionen unseres Landes führt, vollständig ausgemerzt ist, werden wir uns weiter dafür einsetzen, das Leben Schwarzer Menschen zu schützen und zu verbessern.“ (afp)

Obama sieht „ehrliche“ Debatte

Der Tod Floyds hat nach Ansicht des früheren US-Präsidenten Barack Obama eine „ehrliche“ Debatte über Rassismus in den USA ausgelöst. Die von Floyds Tod ausgelöste Bewegung sei „inspirierend“, sagte der 58-jährige Ex-Präsident in einem Videochat. „Es hat in der vergangenen Woche in diesem Land so viel ehrliche Gespräche zum Thema Rassismus gegeben wie nie zuvor in der Zeit, an die ich mich erinnern kann“, sagte Obama. Nicht nur von Seiten einer Minderheit, sondern von „einem großen Teil des Landes“. Obama, der bislang erste Schwarze US-Präsident, hatte sich zuletzt nur sehr selten zu aktuellen politischen Themen geäußert. Seit Floyds Tod hat er aber bereits mehrfach über Rassismus gesprochen. (dpa)

NFL entschuldigt sich für Reaktion auf Antirassismus-Geste

Die National Football League (NFL) reagierte auf die eindringliche Forderung ihrer Schwarzen Profis: NFL-Boss Roger Goodell gestand in einer Videobotschaft Fehler ein und positionierte sich so deutlich wie noch nie gegen Rassismus. „Wir, die National Football League, verurteilen Rassismus und die systematische Unterdrückung schwarzer Menschen. Wir, die National Football League, geben zu, dass es falsch war, nicht schon früher auf die NFL-Spieler gehört zu haben und ermutigen alle, sich zu äußern und friedlich zu protestieren“, sagte er. Ohne schwarze Spieler gebe es die NFL nicht.

Schon 2016 hatte der damalige Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, die Polizeigewalt gegen Schwarze zum Anlass für einen friedlichen Protest genommen und während des Abspielens der Nationalhymne gekniet. Goodell sagte damals, dass er „nicht unbedingt einverstanden ist damit, was er macht“. Der heute 32 Jahre alte Kaepernick hat seit 2017 keinen Vertrag mehr in der NFL bekommen. (dpa)

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